Buchempfehlungen
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Mein Leben mit dem Papst: Johannes Paul, wie er wirklich war - von Stanislaw Dziwicz   

Maximum, wie der Papst Deutschland verändert - von Martin Lohnmann   

Etikettenschwindel Familienpolitik - von Martin Lohnmann   

Hitlers Theologie - von Rainer Bucher

Paulus von Tarsus, Archäologen auf den Spuren des Völkerapostels Paulus - von Michael Hesemann   

Roma Christiana - von Erwin Gatz   

Der aufgeklärte Gott - von Alexander Kissler   

Der große Selbstbetrug, wie wir um unsere Zukunft gebracht werden - von Kai Diekmann

Die Kunst der Stille und des Schweigens / Finde zu deiner Quelle - von Anselm Grün   

Der Primat des Bischofs von Rom, entwicklung, Dogma, Ökumene - von Wolfgang Klausnitzer   

Mein Leben - von Carlo Maria Martini   

Die Hoffnung stirbt nie, Lebensbild von F.X. Nguyen Van Thuan - von André Nguyen Van Chau    

Die Liebe bleibt. Das Leben der Mutter Theresa - von Christian Feldmann

Worum es dem Papst geht, kleiner Schlüssel zum Denken von Benedikt XVI. - von John L. Allen

Gott - Eine kleine Geschichte des Größten - von Martin Lütz

Brief an einen jüdischen Freund - von Sergio Romano

Wende dein Gesicht der Sonne zu - von Obiora Ike

Das Konklave: Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart - von Alberto Melloni

Der deutsche Papst, Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat - von Alexander Kissler

Alfred Delp, Leben gegen den Strom - von Christian Feldmann

Frère Roger, Gelebtes Vertrauen - von Christian Feldmann

Gottes Sanfter Rebell: Joseph Kentenich und seine Vision von einer neuen Welt - von Christian Feldmann

Jesus für Zweifler - von Christian Nürnberger

Das Christentum - von Christian Nürnberger

Das Buch der Deutschen: Alles, was man kennen muss - Hg. Johannes Thiele

Johannes Paul II., Pilger der Hoffnung - von Christian Feldmann

Benedikt XVI., der Papst aus Deutschland - von Helmut Ruppert

Der deutsche Papst - Hg. von Peter Seewald

Minimum - von Frank Schirrmacher

Preußen am Tarpejischen Felsen: Die Geschichte des deutschen Kapitols in Rom 1817- 1918 - von Golo Maurer

Der Indische Joseph, Erinnerungen aus meinem Leben - von Josef Neuner SJ

Unterwegs zu Jesus Christus - von Joseph Kardinal Ratzinger

Mutter Teresa: Komm, sei mein Licht - Hg. Brian Kolodiejchuk

Das Volk ist ein Trost: Zeugnisse von jüdischen Deutschen zwischen 1933 und 1945. - von Konrad Löw

Weltmacht Vatikan, Päpste machen Politik - von Ludwig Ring-Eifel

Jesus von Nazareth - von Joseph Ratzinger - Benedikt XVI

Die Himmelsstürmerin, Chinas Staatsfeindin Nr.1. - Autorin Rebiya Kadeer, Alexandra Cavelius

Die Geschichte der Jesuiten - von Rita Haub

Die Jahre der Vernichtung: Das Dritte Reich und die Juden  1939 – 1945 von Saul Friedländer

Noch eine Runde auf dem Karussell, Vom Leben und Sterben - von Tiziano Terzani

Schwarzbuch Scientology – von Ursula Caberta

Weg und Weite, Festschrift für Karl Lehmann - Hg . von Albert Raffelt

Die Inquisition, Eine Chronik des Schreckens - von Josef Dirnbeck

Die Päpste - von Josef Gelmi

Papst Clemens VII. und Michelangelo: Das jüngste Gericht in der sixtinischen Kapelle - von Hermann Fillitz

Das Antlitz Christi – Grabtuch – Veronika  -   von Andreas Resch

Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert: Von Leo XIII zu Johannes Paul II - von Georg Schwaiger

Pilger gegen die Macht - von Paul Verbeek

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Titel: Mein Leben mit dem Papst: Johannes Paul, wie er wirklich war

Autor: Stanislaw Dziwisz

Verlag: St. Benno, Leipzig

Es ist schon ziemlich ungewöhnlich, dass der Privatsekretär eines Papstes schon kurz nach dem Tod seines Chefs ein Buch herausgibt, in dem er ausführlich von seinem Vorgesetzten spricht. Freilich ist das Buch nicht nur von Kardinal Stanislaw Dziwisz geschrieben, sondern ganz wesentlich durch
die Zusammenarbeit mit dem italienischen Journalisten und Papstkenner Gian Franco Svidercoschi. Der hat nämlich den ehemaligen Papstsekretär ausführlich befragt. Man erfährt nichts Spektakuläres, aber das Besondere ist dann eben doch, dass der Mann, der 40 Jahre lang an der Seite des polnischen Bischofs und Papstes gelebt hat, Alltägliches erzählt. Das Alltägliche wird dann unterbrochen, wenn es um die Wahl von Kardinal Woityla auf den Stuhl Petri geht, um das Attentat auf den Papst, um den Besuch beim Attentäter, um das Sterben des großen Polen. Es ist eben schon etwas Besonderes, wenn ein Mitspieler von dem Spiel um Leben und Tod, um Wahrheit und Liebe, um Einheit und Frieden spricht. Dziwisz war Mitspieler und nicht Beobachter. Jetzt erzählt der Mitspieler.



Titel: Maximum, wie der Papst Deutschland verändert

Autor: Martin Lohmann

Verlag: Gütersloher Verlagshaus

Schon vor einem Jahr hat der engagierte Katholik Martin Lohmann die These veröffentlicht, dass sich Deutschland und die religiöse Lage des Landes durch die Wahl des Deutschen Joseph Ratzinger auf den Stuhl Petri verändert habe. Habe man sich früher eher geschämt, katholisch zu sein, so sei dies wieder interessant geworden. Die Stimmung habe sich deutlich verändert, das allgemeine Interesse an Religion habe sich auch für die katholische Kirche positiv ausgewirkt, und daran sei gerade auch Papst Benedikt schuld. Er ziehe durch sein Auftreten, vor allem aber durch seine Schriften, seine geistigen Positionen Interesse auf sich. Auch Kirchenferne zollten ihm Hochachtung. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit hier der Wunsch der Vater des Gedankens ist, sicher aber ist die Aufmerksamkeit auf die Spitze der katholischen Kirche gestiegen. Konnte man Johannes Paul II. in Deutschland links liegen lassen, so fordert Benedikt mehr Aufmerksamkeit. Lohmann nennt seine These sehr pointiert Maximum, denn jeder Christ sei nicht zum Minimum, sondern zum Maximum berufen. Sein Wunsch: Christen sollen den Mut haben, das Heft für Gerechtigkeit und Frieden im Namen Gottes wieder in die Hand zu nehmen.



Titel: Etikettenschwindel Familienpolitik

Autor: Martin Lohmann

Verlag Gütersloher Verlagshaus

Der bekannte katholische Journalist Martin Lohmann setzt sich sehr kritisch mit der deutschen Familienpolitik auseinander. Er spricht schlicht von einem Etikettenschwindel, denn die eigentliche Frage nach der Bedeutung von Familie und Kindern sei überhaupt nicht im Blick. Die Kritik ist sicher gut, wichtiger aber scheint mir dabei die Grundfrage, ob die Politik sich überhaupt für die Grundlagen der Gesellschaft interessiert oder nur kurzfristigen Wahlzielen und Gruppeninteressen nachläuft. Lohmann hilft das Problem einzuordnen, setzt sich mit der Genderfrage  auseinander, gibt Verstehenshilfen aus der Geschichte, der Sozialwissenschaft, zitiert aus der katholischen Soziallehre und aus kirchlichen Verlautbarungen. Man mag manche von Lohmanns Thesen übertrieben finden, aber kommt nicht darum herum, mit ihm zu registrieren: Wenn der Umgang mit Familie und den Kindern so weitergeht wie bisher, dann ist es mit dem Land der Dichter und Denker bald zu Ende. Man wünscht sich das Buch in die Hand von vielen Wählern.



Titel: Hitlers Theologie

Autor: Rainer Bucher

Verlag: Echter

Hatte Adolf Hitler nicht nur einen unstillbaren Machthunger und Größenwahn, sondern auch eine wirkliche Ideenwelt, eine Weltanschauung, gar eine Theologie, eine bestimmte Sicht von Gott und daher auch eine bestimmte Sicht auf Mensch und Welt? – Ja er hatte sie und er hätte wohl ohne diese Ideologie keinen politischen Erfolg gehabt. Denn sein Nationalsozialismus, seine Rassenlehre, sein Antisemitismus waren ein System, das gerade diejenigen verführte, die selbst keine Weltanschauung hatten. Nicht nur dass Hitler wiederholt von der Vorsehung sprach, die ihn berufen und dorthin gebracht hatte, wohin er selbst wollte, Hitler antwortete auch auf theologische Vorstellungen, die ihm fremd und feindlich waren. Fremd war ihm der Universalismus. Für ihn gab es eben nur die eine Rasse, das eine Volk und den von der Vorsehung berufenen Führer.

Rainer Bucher legt jetzt dazu ein Buch vor. Der Pastoraltheologe ist davon überzeugt, dass Hitler sein Politikprojekt im Namen eines Gottes verkündete, dass er seine Pläne über theologische theologische Begriffe  konzipierte und legitimierte. Diese theologischen Begriffe spielten eine zentrale und tragende Rolle. Wenn wir die Fehler der heutigen Zivilisation erkennen und bekämpfen wollen, ist es nützlich, das Klavier zu kennen, auf dem Hitler seine frommen Lieder gespielt hat.



Titel: Paulus von Tarsus, Archäologen auf den Spuren des Völkerapostels

Autor: Michael Hesemann

Sankt-Ulrichs-Verlag

In wenigen Wochen beginnt das „Paulusjahr“. Die katholische Kirche gedenkt des 2000 Todestages des Völkerapostels, auch wenn das genaue Datum nicht feststeht. Rechtzeitig dazu hat der Erfolgsautor Michael Hesemann eine allgemeinverständliche Biographie des Paulus verfasst. Der Exeget wird dazu sagen: Kritische Geschichtsschreibung ist das nicht, der Interessierte aber wird seine Freude daran haben. Hesemann hat sich auf eine Paulus-Reise begeben und erzählt, was ihm in Tarsus, in Jerusalem, in Damaskus, in Athen und Korinth bis schließlich in Rom über den ehemaligen Saulus erzählt wurde, und was er jeweils gesehen hat. Sicher wird mancher Historiker den Kopf schütteln, aber das mindert nicht die Lesefreude dessen, der schon weit gereist ist und dann auch mal auf den Spuren des Paulus wandert. Wenn das Buch dazu anleitet, einmal die echten Paulusbriefe auf Biographisches abzuklopfen, ist das schon ein Gewinn, denn für viele Christen ist ja der Paulus eher ein Stück mühsame Theologie. Das Buch macht Lust, Paulus besser kennen zu lernen.

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Titel: Roma Christiana, Vatikan, Rom, römisches Umland

Autor: Erwin Gatz

Verlag: Schnell und Steiner

Es gibt unendlich viele Romführer. Romreisende tun sich schwer, den richtigen zu finden. Ich möchte ihnen den empfehlen, den ich für exzellent halte: Es ist der Band Roma christiana von Erwin Gatz, dem Historiker und Rektor des Kolleg am Campo Santo Teutonico. Wenn sich ein bekannter Historiker die Mühe macht, einen Romführer zu schreiben, meint er es ernst. Die vierhundertseitige Band ist jetzt bereits in dritter Auflage erschienen. Was ist das Besondere? Gatz konzentriert sich auf das christliche Rom, ohne das heidnische und moderne links liegen zu lassen. Daher führt er ausführlich durch den Vatikan, die Hauptkirche, die Katakomben. Beim Gang durch die Stadtviertel kommt dann auch das vorchristliche antike Rom in den Blick. Aber der Historiker Gatz schaltet dem Ganzen Stadt- und Kunstgeschichte voraus und macht am Ende einen Ausflug in die Umgebung Roms ein. Auch wenn das Ganze notwendigerweise nur einen ersten Überblick über das ewige Rom bieten kann, so erfährt der aufmerksame Leser doch unzählige Details, die Neugier wecken, gelegentlich genauer hinzuschauen. Gut gewählte Farbbilder machen Lust, Rom einmal persönlich zu erobern und an den heiligen Stätten nieder zu knien, die Rom wie es im Titel heißt zu „Roma christiana“ gemacht haben.
 

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Titel: Der aufgeklärte Gott - Wie die Religion zur Vernunft kam.

Autor: Alexander Kissler

Verlag Pattloch

Auf dem Markt religiöser Bücher boomt es ein wenig. Der Kampf um Gott ist in vollem Gange. Ich möchte Ihnen ein Buch vorstellen, das Ihnen vielleicht hilft, mit Gott wieder etwas anfangen zu können. Es gehrt freilich nicht über das Herz, sondern über den Verstand. Der Titel „Der aufgeklärte Gott“. Autor ist der SJ-Journalist Alexander Kissler. Es ist schon anspruchsvolle Kost, wenn man mit Kissler durch die europäische Denkgeschichte marschiert und dabei gescheiten Leuten begegnet: Um nur einige der Bekanntesten zu nennen: Lessing und Kleist, Voltaire und Kant, Häckel und Giordano Bruno. Es geht dabei nicht nur um den persönlichen Glauben Einzelner, sondern vor allem heute um die Zivilisation Europas. Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt, meinte Dostojewski. Religion und Wissenschaft müssen sich versöhnen, Glaube und Vernunft. Wenn die Menschheit dem Wahn verfiele, dass sie mit Naturwissenschaft und Technik den Menschen glücklich macht, dann verliert sie jede Humanität. Beim Glauben um Gott geht es um unsere Kultur. Das macht Kissler in seinem Buch klar. Aber er braucht anspruchsvolle Leser, die ich ihm auch wünsche.




Titel: Der große Selbstbetrug, wie wir um unsere Zukunft gebracht werden

Von: Kai Diekmann

Verlag: Piper

Es gibt viel zu klagen über Deutschland und uns Deutsche: wir wählen die falschen Politiker, wir lassen uns von ihnen an der Nase herumführen, wir diskutieren die falschen Themen, wir zerstören die Familien, die Renten, die Pädagogik, wir meinen es gut und sind unrealistisch. Und schließlich: wir jammern zu viel über uns selbst, obwohl es uns doch eigentlich viel besser geht als den meisten anderen Völkern. Eine Zusammenstellung falscher deutscher Entscheidungen, Haltungen und Gedanken hat geistvoll und spritzig Kai Diekmann zusammengestellt in seinem Buch „Der große Selbstbetrug – wie wir um unsere Zukunft gebracht werden“. Es ist eine große Abrechnung mit denen, die im Allgemeinen die „68-er“ genannt werden. Seit 40 Jahren also geht es nach Diekmann in vielem bergab. Ein lesenswerter Blick in den Spiegel. Freilich sieht manch einer, der sich im Spiegel betrachtet, nicht, dass er objektiv wesentlich schöner ist, als er meint. Jedenfalls wären die meisten Völker der Welt glücklich, wenn sie nur die deutschen Probleme hätten. Daher meine Frage an das Buch: beweist es, dass wir nicht nur Exportweltmeister, sondern auch die Weltmeister im Jammern sind? Italiener jedenfalls wären glücklich, wenn sie deutsche Politiker hätten, Franzosen, wenn sie so gut mit Ausländern fertig würden wie diese Deutschen Afrikaner, wenn sie so kleine Sorgen hätten,. Wir machen vieles falsch, aber andere vielleicht noch mehr. Vielleicht hilft das Buch zu erkennen, dass wir sehr fröhlich sein können, in Deutschland zu leben.




Titel: Die Kunst der Stille und des Schweigens, 9.95 Euro

Titel: Finde zu deiner Quelle, 12.95 Euro

Autor: Anselm Grün

Verlag: Kreuz-Verlag

Ich möchte Ihnen heute gleich zwei kleine Bildbändchen aus dem Kreuz-Verlag vorstellen, die sich trefflich als Geschenke eignen, z.B. bei Krankenbesuchen oder Ähnlichem. Das erste enthält meditative Texte des bekannten Benediktinerpaters Anselm Grün. Er schreibt dazu:

„Ich möchte als Mönch vor allem die Quellen christlicher Spiritualität beschreiben, wie sie mir das Mönchtum vermittelt hat. Es sind die Quellen, aus denen die frühe Kirche gelebt hat. Daher glaube ich, dass sie auch heute für uns eine bleibende Bedeutung haben. Natürlich können wir den spirituellen Weg der frühen Mönche oder der frühen Kirche nicht einfach kopieren. Aber die Beschäftigung mit ihrem Weg regt uns an, nach eigenen Quellen zu suchen.“ Wer sich auf die Quellen des Glaubens besinnen will, findet hier Hilfe. Unterstützung erhält er dabei durch die vorzüglichen Fotografien des Meisterfotografen Peter Friebe.

Das zweite Büchlein ist ebenfalls von Peter Friebe bebildert. Es heißt „Die Kunst der Stille und des Schweigens“. Die Kurztexte in dem Bändchen stammen von einigen Vordenkern, christlichen und nicht christlichen. In allen aber geht es um die Bedeutung des Schweigens und der Stille für die Seele. Viele seelische Krankheiten rühren ja daher, dass die Menschen nicht zur Ruhe, zu sich selbst und zu ihrem Grund in Gott kommen.





Titel: Der Primat des Bischofs von Rom, Entwicklung, Dogma, Ökumene

Autor: Wolfgang Klausnitzer

Verlag: Verlag Herder, rund 30.00 Euro

Die letzten Päpste waren sich darüber im Klaren, dass das Papsttum das größte Hindernis für die Einheit der Christen ist. Die katholische Kirche steht aber nicht nur aus praktischen, sondern vor allem aus Gründen der Lehre zu ihm. Wie aber hat sich das Papsttum entwickelt? Wusste Petrus, dass er Nachfolger haben würde, die eine Weltkirche leiten und unfehlbar sind?

Der Bamberger Fundamentaltheologe Wolfgang Klausnitzer trägt in einem 500-Seiten starken Band die Geschichte des Papsttums vor. Er setzt sich auch für Laien verständlich mit allen kritischen Fragen auseinander, zitiert Dokumente und Spezialstudien, erklärt, verteidigt, interpretiert. Gerade für Christen, die sich mit Primat und Unfehlbarkeit schwer tun, ist der Band eine Hilfe. Die komplizierte Entwicklung vom Fischer am See Genesareth über die einfachen Bischöfe von Rom zum Primatanspruch über die Fehlformen des Papolatrie wird lebendig. Wie kann man theologisch verantworten, dass sich aus unscheinbaren Anfängen eine dogmatische Lehre entwickelt hat? Antwort auf unzählige Fragen gibt das Buch von Wolfgang Klausnitzer mit dem Titel „Der Primat des Bischofs von Rom“.




Titel: Mein Leben

Autor: Carlo Maria Martini

Verlag: Neue Stadt , 10.90 Euro

Es gibt berühmte Menschen, die alle kennen, und die dennoch unbekannt sind. Diesen Gedanken hatte ich, als die Kurzbiographie von Kardinal Carlo Maria Martini gelesen habe. Der berühmte Bibelkenner hat sich seinen Freunden und Lesern jetzt in einer kleinen Autobiographie selbst vorgestellt. Hier erfährt man, dass seine Liebe zu Bibel, Jerusalem, dem Heiligen Land schon in frühster Jugend begann, dass er den zweiten Weltkrieg mit Bomben erlebt hat, dass er spät erst Bergsteinen lernte, dass er ein besonderes Verhältnis zu Strafgefangenen pflegt und wie es dazu kam, dass er einen großen Erfolg bei jungen Menschen hatte. Selbst sein Wunsch, in der Kirche etwas zu bewegen, hat sich im Lauf der Jahre geändert: heute betet er nur für die Kirche – und lebt am liebsten in Jerusalem. Wäre er vor drei Jahren nicht schon sehr krank gewesen, so könnte er heute auf dem Stuhl Petri sitzen. Als man damals auf ihn zukam, winkte der Bibelkenner ab.




Titel: Die Hoffnung stirbt nie, Lebensbild von F.X. Nguyen Van Thuan

Autor: André Nguyen Van Chau

Verlag Neue Stadt, Preis 19.90

Die Kraft der katholischen Kirche kommt in Zukunft aus Ostasien, aus China, Vietnam, Korea und anderen Ländern. Ein Beispiel für diese These ist das Leben von Kardinal Nguyen Van Thuan. Er verbrachte 13 Jahre als politischer Häftling in kommunistischen Gefängnissen Vietnams. In Dunkelhaft fürchtete er, den Verstand zu verlieren. Irgendwann erkannte das Regime, dass der Mann nicht zu brechen war. Erstaunlich ist, dass man ihn nicht umgebracht hat. Er selbst würde sagen: Die Vorsehung hat ihn beschützt. Aus einer bekannten vietnamesischen Familie stammend haben ihn seine kirchlichen Vorgesetzten rasch als Genie erkannt. So bekam er sehr schnell allerhöchste Verantwortung im Bischofsamt. Das war sein Schicksal. Als man ihn nicht zerbrechen konnte, ließ man ihn aus- aber nicht mehr einreisen. So wurde er im Vatikan verantwortlich für den päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Weltweit bekannt wurde er im Jahr 2000 durch die Exerzitien im Vatikan, die anschließend unter dem Titel „Hoffnung, die uns trägt“ veröffentlicht wurden. Nun liegt seine Biographie vor, ein spannendes Buch.



Die Liebe bleibt. Das Leben der Mutter Teresa

Von: Christian Feldmann

Verlag: Herder, 14.90 Euro

Auch wenn man meint, Mutter Teresa schon zu kennen. Man lernt immer noch dazu. Sie ist wie ein Brunnen, aus dem immer neues frisches Wasser hervorsprudelt. So ist es mir gegangen, als ich die Neuausgabe von Christian Feldmanns Mutter-Teresa-Buch las. Es bezieht die erst kürzlich veröffentlichten persönlichen Aufzeichnungen der Friedensnobelpreisträgerin ein. Es macht mir deutlich: wer wirklich gottverbunden lebt, ist ein Wunder, das immer wieder in Staunen versetzt. Mutter Teresa strahlte ja überall Freude, Vertrauen, Dynamik und Liebe aus. Wer aber ihre geistlichen Notizen liest, weiß, dass in ihrer Seele tiefe Finsternis jahrelang tiefe Finsternis war, dass sie Gott ganz verloren hatte. Sie lebte von purem, nüchternstem Glauben, dass hinter allem Dunkel doch eben Gott war. Davon merkte die Umwelt nichts. Im Gegenteil Mutter Teresa war wie tausend Zündhölzer, ein Feuerwerk. Und wen jemand von ihr wissen wollte, welche große Tat er oder sie tun wollte, konnte sie sagen: geh in dein Kämmerlein und suche die Liebe Gottes. Sie entflammte Tausende, weil sie ihr Feuer an Jesus entzündete. Dies und vieles mehr liest sich wie ein Roman in der neuen Biographie von Christian Feldmann. Auch wer meint, Mutter Teresa längst zu kennen, wird eines besseren belehrt. Sie ist ein unerschöpfliches Wunderwerk der Liebe Gottes.

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Worum es dem Papst geht, kleiner Schlüssel zum Denken von Benedikt XVI.

Von John L. Allen

Verlag: Herder, 6.00 Euro

Wissen Sie, was Papst Benedikt "umtreibt", was er in seinem Pontifikat erreichen, bewegen möchte? Die antwort auf diese Fragen finden Sie in einem kleinen Bändchen, das der bekannte us-amerikanische Vatikanjournalist John L. Allen geschrieben hat. Benedikt wollte nichts völlig Nues, Umstürzendes, Aufregendes, sondern er wolle - so schreibt Allen - in der Einleitung Altbekanntes neu aufpoliert in der Welt vorstellen: Wörtlich heißt es da: "Benedikts Kreativität liegt eher in seiner frischen Art, die Kernaussagen der christlichen Lehre verständlich zu machen. Benedikt ist ein Papst für das Wesentliche, und dieses Wesentliche wird auf intelligente und provokative Weise dargeboten". Und dann folgen zehn kurze Kapitel. Schon die Überschriften zeigen, dass es sich um Bekanntes in kurzer präzisier Form handelt: Gott ist die Liebe, jesus ist der Herr, Wahrheit und Freiheit sind zwei Seiten derselben Medaille, Glaube und Vernunft brauchen einander. So geht es weiter. Wenn man nun weiß, dass der Autor John Allen den ehemaligen Kardinal Ratzinger auch heftig kritisiert und vorausgesagt hat, er werde nie Papst werden, so wird diese präzise und schöne Zusammenfassung der Anliegen von Papst Benedikt noch sympatischer. Es schreibt kein ewiger Bewunderer Benedikts, sondern einer, der vielleicht von Benedikt überzeugt wurde.



Gott – Eine kleine Geschichte des Größten

Von Manfred Lütz

Verlag Pattloch, Preis 19.95

Gebildete Asiaten, Afrikaner und Lateinamerikaner wundern sich vermutlich darüber, dass man an der Existenz Gottes zweifeln kann. Sie wissen zwar aus der Literatur, dass viele Europäer von sich behaupten, sie glaubten nicht an Gott. Gleichzeitig aber fragen sie sich wohl, wie kann man das Selbstverständlichste und Grundlegendste des menschlichen Lebens bezweifeln, nämlich dass ein Gott über der Welt lebt, dass er ihr Schicksal in der Hand hält und sie trägt. Nun ist die Frage nach Gott auch in Europa wieder lebendig geworden, die Spiegelbestsellerliste gibt Zeugnis davon. Manfred Lütz, der Psychiater und Theologe, ist nun in die Lücke gesprungen und hat eine – wie er schreibt – kleine Geschichte des Größten – geschrieben. Er versucht darin, sehr persönlich zu zeigen, warum es vernünftig und rational ist, an Gott zu glauben. Man liest zwar keinen stringenten Beweis wie ihn die katholische Scholastik früher geführt hätte, aber er zeigt zunächst, wie Glaube an Gott NICHT bewiesen werden kann, nämlich mit Psychologie. Sein Weg führt vielmehr im Wesentlichen über die menschliche Sensibilität für Gutes, Wahres, Schönes, über Kunst und Musik. Lütz breitet ein unglaubliches Wissen in diesen Bereichen aus. Er kennt sich vor allem bei Michelangelo, Raffael, Tintoretto und in der Gotik hervorragend aus. Er nennt auch Bespiele aus der klassischen Musik, durch die ein Hörer einen Geschmack von Gott erhalten kann. Er setzt sich ausführlich auseinander mit Kant und Voltaire, mit Nietzsche und Feuerbach. Und natürlich führt er nicht nur zu einer rationalen Anerkennung Gottes, sondern auch zum Gott Jesu Christi – und zwar in der katholischen Kirche. Lütz unterstreicht oft seine Hochschätzung seriöser Atheisten und gläubiger Protestanten, aber lässt keinen Zweifel. Er ist katholisch und will die Menschen vom katholischen Glauben überzeugen. Das Buch ist spannend. Am Schluss muss der Leser selbst den Sprung wagen, eben an Gott zu glauben – oder er kann – wenigstens nach Lütz – darum beten, dass ihm dieser Sprung gelingen möge. Schon vor dem Glauben nämlich kann man anfangen, zu Gott zu beten. Das Buch ist ein intellektueller Leckerbissen. Auch Menschen, die schon behaupten, an Gott zu glauben, werden mit Vergnügen erfahren, warum ihr Glauben hilfreich und vernünftig ist.





Brief an einen jüdischen Freund

Von Sergio Romano

Verlag Landtverlag, 29.90 Euro

Viele Europäer wissen oft nicht so recht, wie sie sich gegen über Israel verhalten und aussprechen sollen. Denn einerseits leiden die Israelis bis heute unter dem Holocaust und unter palästinensischen Raketen, andererseits scheinen sie sich gegenüber den Palästinenser nicht immer korrekt zu verhalten. Israel gebraucht das Argument, dass alles was sie tun, nicht mit dem Holocaust verglichen werden kann. Als aufrechter Europäer tut man sich schwer, ein gelassenes Verhältnis zu Israel einzunehmen. Ich möchte Ihnen ein Buch vorstellen, das einen Beitrag leistet, sich gegenüber Israel auszusprechen. Sergio Romano ist ein italienischer Diplomat und Journalist, ein Freund Israels. Und genau deswegen kann er den Finger auf wunde Punkte legen. Er meint, die Juden machten einen Fehler, wenn sie den Holocaust nicht als geschichtliches Ereignis mit seinen Gründen und Voraussetzungen sähen, sondern als metahistorisches Ereignis. Dadurch gerade könne ein neuer Antisemitismus entstehen. Vor allem dürfe das Argument Holocaust nicht für ganz verschiedene politische Zwecke gebraucht werden. Auch sei es eine Art von Rassismus, wenn man heutige Menschen so mit dem Naziterror identifiziere, dass man sie zu  Schadenersatzzahlungen verpflichte. Sicher dürfe der Holocaust nie vergessen werde, aber man dürfe ihn nicht als übergeschichtliches Argument ins Spiel bringen. Scharf sei zu unterscheiden zwischen christlichem Antijudaismus und Antisemitismus. Heute gebrauchten linke Politiker den Vorwurf des Antisemitismus, um ihre eigenen politischen Ziele zu verwirklichen. Das Buch von Sergia Romano ist in Italien bereits vor 10 Jahren erschienen, jetzt auf Deutsch. Menschen, die sich mit den Problemen des Nahen Ostens befassen, die Gründe für seine Probleme verstehen und sich ein Urteil bilden müssen, sollten Sergio Romanos Buch „Brief an einen jüdischen Freund“ lesen. Es hat in Italien Zustimmung und heftige Kritik ausgelöst. Wichtig ist auch seine geschichtliche Einordnung des versuchten Mordes an Millionen von Juden. Nur wer versteht, kann wirklich helfen. Blinde Solidarität mit Israel hilft dem Land nicht. Wer den Juden gut gesinnt ist, sollte sich mit Sergio Romano auseinandersetzen. Es lohnt sich.



Wende dein Gesicht der Sonne zu

Von Obiora Ike,

Verlag Pattloch, Kosten 16.85 Euro

Afrika, das ist der Kontinent des Elends, der Bruderkriege, der Aidskranken, der Kontinent der Flüchtlingsdramen, der Kontinent derer, die über das Mittelmeer nach Europa wollen. Afrika ist Untergang. Man kann es auch anders sehen. Dazu empfehle ich Ihnen das Buch des nigerianischen Priesters Obiora Ike, der in Europa zwei Doktorarbeiten geschrieben hat und jetzt Generalvikar in seiner Diözese ist. In seinem leicht verschlingbaren Buch sagt er uns Deutschen, was wir auch heute von Afrika lernen können: Familiensinn, Glauben an Gott, Optimismus, Gemeinschaftsgeist. Und er bittet: Ihr Deutsche seid nicht so griesgrämig, denn ihr seid gescheit und sehr fleißig, sogar hilfsbereit und fröhlich, seit Weltmeister im Spenden. Wir in Afrika erwarten noch viel von Euch. Wir sollten von euch lernen, ihr aber könnt auch von uns lernen. Obiora Ike zwingt den aufmerksamen Leser, sein Afrikabild zu ändern. Der Nigerianer hat den Biafrakrieg überlebt, er weiß, was Flucht, Flüchtlingslager und Not ist. Er betreut Strafgefangene in Nigeria, er weiß also, was Elend ist, er erlebte Vertreibung von Christen, damit der Islam Platz greift. Er ist kein Träumer, aber er folgt seinem Wahlspruch „Wende Dein Gesicht der Sonne zu“, dann fällt der Schatten hinter Dich. Und er kennt die Weisheit des Wortes: Gott schenkte den Europäern die Uhr, den Afrikanern schenkte er die Zeit. Wenn Europa Afrika als Nachbarn ansieht, muss es nicht nur wirtschaftlich helfen und afrikanischen Waren Chancen auf dem europäischen Markt geben. Europa darf Afrika auch nicht nur als Katastrophenkontinent sehen. Damit tut man ihm ebenso Unrecht wie mit ungerechten Handelsbeziehungen. Afrikaner können vor allem uns Deutsche lehren, wieder an uns selbst zu glauben. Wir können von Afrikanern lernen, was wirkliche Lebensfragen und Aufgaben sind. Wir Europäer hängen viel zu viel an Nebensächlichem. All dies lehrt Obiora Ike aus Nigeria.

 

Das Konklave

Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart

Von Alberto Melloni

Verlag: Herder, Kosten 19.90

Irgendwann wird ein neuer Papst gewählt, dann reisen Kardinäle aus aller Welt nach Rom, um in der Sixtinischen Kapelle ihre Stimme abzugeben. Unter Fachleuten wird seit langem gerätselt, auf wen die Purpurträger zeigen werden. Warum aber dürfen gerade Kardinäle den Papst wählen und nicht etwa eine Bischofssynode oder gar ein Konzil? Wen dürfen sie wählen? Gibt es einen Wahlkampf? Kann man kandidieren? Muss der Gewählte Priester oder Bischof sein? Warum wählen sie in der Sixtinischen Kapelle? Reicht die einfache Mehrheit oder braucht es Zweidrittel? Haben nicht früher Klerus und Volk auch den Bischof von Rom gewählt? Fragen über Fragen. Wer Antworten sucht, schaffe sich das Bändchen „Das Konklave“ an. Hier findet man auch, wieviele Kardinäle derzeit aus Afrika, aus Asien, aus Amerika kommen, wie alt sie sind, welchen Richtungen sie angehören. Und vor allem: wie sich das alles im Lauf der Jahrhunderte entwickelt hat. Papstwahlgeschichte ist auch Kulturgeschichte.

 

Der deutsche Papst, Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat

Von Alexander Kissler

Verlag Herder, 19.90 Euro

Das aufregendste Papst Benedikt-Buch, das mir bisher in die Hände gefallen ist, geschrieben von einem jungen Journalisten Alexander Kissler, der sich in das Denken und in die Konflikte Ratzingers mit den Denkern und Vordenkern in Deutschland gründlichst eingelesen hat. Zur Sprache kommen darin nicht nur die Befreiungstheologie und aufmüpfige Katholikentage, Theologenkonflikte und Kulturrevo-lutionen, neue Gemeindebildungen und Basisgemeinden. Der Autor zeigt, woher Ratzingers Denken sich speist. Es geht immer wieder zurück auf Bonaventura und die Doktorarbeit der jungen Wunder-kindes. Schon damals habe der junge Mann aus Marktl sich gegen falsche Endzeitutopien gewehrt – was sich dann fortsetzte in der Auseinandersetzung mit Marxisten und Befreiungstheologen. Hier nur ein paar Kapitelüberschriften als Häppchen „Ein Land wird Papst und die Nachbarn sind entsetzt“, „Die Basisgruppen und das Zentralkomitee“, „Joseph Ratzinger – der Kirchenkritiker“, „Ratzingers Aufstand gegen die Akademien“.

Wer sich mit der oberflächliche Mäkelei an dem präzisen Theologen nicht zufrieden gibt, der muss hineinbohren in das Denken des Papstes, der nach Aussage von Eugen Biser der theologisch gescheiteste seit Papst Leo dem Grossen ist. Der lebte vor 15OO Jahren. Auf dem Buchumschlag fragt der herausgebende Herder-Verlag „Kann dieses Pontifikat zu einem Neuanfang führen im schwierigen Verhältnis von Rom und Deutschland.“ Ich möchte es hoffen. Ich bitte vor allem alle Ratzinger-Kritiker sich intensiv mit dem Denken des Kritisierten auseinander zusetzen. Es wird dann schwerer, ihn weiterhin in eine Schublade zu stecken. Wir sollten einander aus den Schubladen befreien.

 

Alfred Delp, Leben gegen den Strom

Von Christian Feldmann

Verlag: Herder, 14.90 Euro

Kann man noch Neues über den Jesuiten-Martyrer Alfred Delp schreiben? Man kann. Der bekannte Biograph Christian Feldmann hat zum 60.Jahrestag der Hinrichtung von Alfred Delp durch die Nazis eine neue Biographie über den Querdenker geschrieben. Sie macht Freude. Auf rund 100 Seiten zeichnet er ein scharfes Bild des Mannes, der nicht nur gegen den Nationalsozialismus vordachte, sondern auch mit ins Feld ging, um die Menschen vor Hitler und seinen Schergen zu schützen. Menschen wie Alfred Delp dürfen nicht vergessen werden – vor allem angesichts einer Gedenkzeit, in der es manchmal scheint, als hätten alle Deutschen vor dem Nationalsozialismus versagt. Delp kam nicht aus einer Familie, die man landläufig als gut katholisch bezeichnen würde. Er machte auch keine übliche Ordenskarriere, denn schon mit 3o Jahren zeigte er sich nicht nur als Querdenker gegen Hitler, sondern auch innerhalb Kirche und Orden. Er machte es sich und seinen vorgesetzten Jesuiten nicht leicht. Sie beriefen ihn dennoch in den Denkpool der Stimmen der Zeit, wo es fast notwendig den Nazis unangenehm auffallen musste. Delp suchte aber keineswegs das Martyrium, im Gegenteil hoffte er wider alle Hoffnung trotz Folter im Gefängnis und grausamer Haft auf Befreiung. Aber als es dann unumgänglich war, ging er mit nur 38 Jahren gefasst an den Galgen. Gut, dass Christian Feldmann einen Beitrag leistet, damit Männer wie Delp nicht vergessen werden.

 

Frère Roger, Gelebtes Vertrauen

Von Christian Feldmann

Herder-Verlag 12.90 Euro

Die ganze Welt kennt Taizé und ihren kürzlich verstorbenen Gründer Frère Roger Schutz. Aber kennen wir ihn wirklich? Auch ich habe ihn erst ein Stück besser kennen gelernt, als ich die Kurzbiographie über ihn gelesen habe, die kurz nach seinem Tod erschienen ist. Sie stammt von dem bekannten Schriftsteller Christian Feldmann. Es ist ein kleines Bändchen mit vielen farbigen Bildern, höchst lebendig und engagiert geschrieben. Es zeigt vor allem die spirituellen Quellen des Wunders von Taizé. Roger ging es wirklich nur um die Nähe zu Christus. Aus ihr fließt dann der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Solidarität mit den Armen, nach Kircheneinheit und nach der Versöhnung der ganzen Welt. Roger ließ sich von Christus anziehen, er überließ sich dem Locken des Geistes in seinem Herzen und der hat Wunder gewirkt – für die Gemeinschaft und für die ganze Welt.

 

Gottes Sanfter Rebell,

Joseph Kentenich und seine Vision von einer neuen Welt                    

Von Christian Feldmann

Verlag: Patris-Verlag, 17.80 Euro

Die Schönstatt-Bewegung ist nicht allen Katholiken geheuer. Sie wird von machen als frömmelnd eingestuft. Wer sich nun ein sachliches Bild über die riesige und wachsende Gemeinschaft machen will, kann sich höchst spannend informieren über ihren großen und manchmal kritisierten Gründer, Pater Joseph Kentenich. Das Buch stammt nicht aus der Feder eines Schönstätters, sondern von einem kritischen Beobachter, der schon viele alte und neue Gottesmänner und Frauen portraitiert hat, Christian Feldmann. Er zeigt – wie es im Titel heißt – Kentenich als „sanften Rebellen“: fromm, unternehmungslustig, visionär, dynamisch, von kindlichem Optimismus geprägt. Er hatte unzählige Widerstände in der Kirche und seiner Umgebung zu überwinden, um seine Ideen zu einer Zeit durchzusetzen, die dafür noch nicht reif schien. Er ist über alle Hindernisse mit fast kindischem Eifer hinweg gesprungen, bis ihn die Nazis dann im KZ-Dachau hatten. Dort zeigte er offenbar nicht nur größte Hilfsbereitschaft zu Häftlingen, denen es noch schlechter ging und gleichzeitig einen Humor, der manchen Aufseher ärgerte. Nach dem Krieg hatte die Glaubenskongregation ein Auge auf ihn. Vielen Kritikern schien er sein Werk zu sehr auf sich selbst zu konzentrieren. Ohne Murren ging er ins us-amerikanische Exil, bis er nach elf Jahren zurückgerufen wurde. In der Zwischenzeit war seine Saat aufgegangen und mehr als 25 Schönstattfamilien blühten. Sie blühen bis heute. Feldmann zeichnet ein liebevolles Portrait, das man kennen sollte, wenn man sich mit Schönstatt auseinandersetzt.

 

Jesus für Zweifler, (Gütersloher Verlagshaus)

Das Christentum, (Rowohlt-Verlag)

Von Christian Nürnberger

Ich möchte Ihnen heute zwei Bücher von Christian Nürnberger vorstellen. Der eifrige Schreiber setzt sich in beiden mit dem christlichen Glauben sehr persönlich auseinander. Das zeigt vor allem der Titel des ersten Buches: Er lautet „Jesus für Zweifler“. In dem sehr autobiographischen Buch spricht er davon, wie sehr er vom christlichen Glauben angezogen ist, aber dennoch nicht zu dem Glauben durchfindet, den er sucht. Aber für Glaubende und Zweifler zeigt Nürnberger in hervorragender Weise, warum das Christentum allen Zweifeln zu Trotz nötig ist. Er schreibt ausdrücklich „Es geht um jene bleibende Wahrheit des Christentums, die durch keine wissenschaftliche Untersuchung widerlegt werden kann.“ Wenn viele Kirchgänger sich so intensiv mit dem Glauben auseinandersetzen würden wie Christian Nürnberger, dann ginge es den Kirchen besser. Es ist gleichzeitig provozierend und konstruktiv, aufregend und erbauend. Ich wünsche das Buch in die Hände vieler Zweifler und noch mehr in die Hand derer, die von Kirche nur ein dummes Klischee haben.

Das zweite Buch von Christian Nürnberger mit dem einfachen Titel „Das Christentum, was man wirklich wissen muss“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie man in normaler Sprache das vermitteln kann, was wir Fachleute leider oft verstecken. Manches in dem Buch mag Historiker stören, Theologen werden auch Häresien finden, aber man spürt die Liebe des Autors zur Sache des Christentums. Und jeder Gebildete kennt den Schatz des Christentums, weiß aber auch, dass die Kirchen das eigentlich Christliche manchmal verbergen. Ich wünsche mir, dass Kirchenkritiker ähnlich wie Nürnberger den Schatz entdecken, den die Kirchen vermitteln. Ich wünsche, dass alle, die an Europa mitbauen, das Christentum ernst nehmen. Denn ohne den christlichen Glauben gäbe es nicht das Paradies, in dem die Europäer seit 60 Jahren leben. Nürnberger nennt sein erstes Kapitel nämlich „Wir armen Glückskinder“, weil wir mit dem Christentum und im Frieden leben – und es gar nicht merken.

 

Das Buch der Deutschen, Alles, was man kennen muss

Hg. Johannes Thiele,

Lübbe-Verlag, 29 Euro

Ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das einen Beitrag dazu leisten kann, das Europa der Zukunft zu bauen. Dieses Europa leidet unter anderem an der mangelnden Selbstsicherheit von uns Deutschen. Wir tun uns schwer, zu uns selbst zu stehen – nicht erst seit Hitler. Wenn wir Deutsche unsere Kultur kennen würden, gewännen wir Selbstsicherheit. Ich stelle ihnen kurz ein Buch vor, das einen wesentlichen Beitrag leisten kann, unsere Kultur zu kennen. Es enthält nämlich Literatur, rechtliche und politische Texte aus fast 2 Jahrtausenden. Los geht’s mit dem Text von Tacitus über Germania, es folgt die Schlacht am Teutoburger Wald, ein Gedicht aus der Edda, das Hildebrandlied, das Testament Karls des Großen, der Schwur von Canossa, das Wormser Konkordat, das Nibelungenlied usw., usw. Weitere Höhepunkte sind Luthers Thesen gegen den Ablass und die Freiheit des Christenmenschen, Hans Sachs Meistersinger, der Augsburger Religionsfriede, Grimmelshausen Simplizissimus, der Text des Westfälischen Friedensschlusses, Angelus Silesius Wandersmann. Immer mehr in der Neuzeit kommt Literatur und Geschichte: nur ein paar Stichworte: Lessings Ringparabel, Claudius Abendlied, Kant über die Aufklärung, Goethe junger Werther, Schillers Räuber und Glocke. Weitere Namen: Novalis, Novalis, Hölderlin, Kleist. Aber auch Brecht, Döblin, Eichendorf, Borchert, Böll, Mann. Und große politische Texte: Hitlers Ermächtigungsgesetz, die Barmer Erklärung der bekennenden Kirche, der Nichtangriffspakt, die Weiße Rose, Bonhoeffer bis zur Rede von Richard von Weizsäcker 40 Jahre nach dem Kriegsende. Alles, was ein gebildeter Deutscher wissen sollte, was ihm Grund gibt zu einer sicheren Selbstwahrnehmung in Freude, Stolz und Trauer. Dies Buch sollte mindestens jedem Abiturienten geschenkt werden.

 

Johannes Paul II. Pilger der Hoffnung,

Von Christian Feldmann, Herder-Verlag rund 13.00 Euro

Benedikt XVI. Der Papst aus Deutschland,

Von Helmut Ruppert, Echter-Verlag, 10.00 Euro.

Der deutsche Papst,

Hg. von Peter Seewald, Weltbild rund 10.00 Euro.

Ich möchte Ihnen drei Buch-Schnellschüsse vorstellen, die um den alten und den neuen Papst entstanden sind. Das erste ist eine Biographie von Johannes Paul II. direkt nach seinem Tod geschrieben – von dem bekannten Biographen Christian Feldmann. Der reich bebildete Band stellt in 10 Kapiteln das Leben eines außergewöhnlichen Menschen vor. Das zeigen schon die Kostproben von einigen Überschriften. Karol und Johannes Paul Superstar, der Kämpfer, der Mauerbrecher, der Pazifist, der Mystiker. Das letzte Kapitel heißt Öffentliches Martyrium. Sehr zu empfehlen, wenn man das ungewöhnliche Leben noch mal Revue passieren lassen will.

Das zweite Buch ist eine Biographie von Papst Benedikt aus der Feder des scheidenden Chefredakteurs der Katholischen Nachrichtenagentur, Helmut Ruppert. Genauer genommen ist es eine Dokumentation des Übergangs von einem Papst zum anderen. In herrlichen Farbaufnahmen und prägnanten Texten werden die bewegenden Stunden noch einmal in Erinnerung gerufen. Der Leser und Betrachter kann noch mal zurückgehen zu den aufregenden Szenen vor und bei der Beerdigung des Papstes,  beim Konklave mit dem weißen Rauch, der Verkündigung des „Josefum“, bei der Amtseinführungsmesse. Ein Bändchen gegen das Vergessen.

Das dritte Buch ist ganz aufs Schauen eingestellt. Es heißt „Der deutsche Papst“, herausgegeben von Peter Seewald. Unzählige Bilder zeigen Ratzinger als Jungen und Studenten, als Professor und Gelehrten, als   Bischof und Kardinal und schließlich als Benedikt. Man taucht ein in eine lange Karriere, die früh begann und an höchster Stelle endet. Man hat sich bemüht, in allen Fotosammlungen das Beste zu fischen. Ein guter Fischfang mit vielen Texten vertieft. Neben dem Herausgeber Peter Seewald schreiben der Hamburger Weihbischof Jaschke und der Münchner Pastoraltheologe Elmar Gruber. Vor allem aber eine Fundgrube an Fotos.

 

Minimum  

Von Frank Schirrmacher

Verlag: Karl Blessing

Familie hat Zukunft, Familie ist der beste Lebensschutz in Gefahren, Familie schafft Seelenheimat. So kann man die Thesen von Franz Schirrmacher zusammenfassen, die er in seinem neuen Buch „Minimum“ beweist. Freilich zeigt er auch ganz deutlich, dass die traditionelle Familie in Europa kaum eine Chance hat. In Zukunft gewinnen Frauen an Bedeutung, weil sie beruflich tätig sind, mehr soziale Kompetenz haben und für den Nachwuchs sorgen. Freilich muss eine junge Frau in Zukunft nicht nur für ihre Kinder sorgen, sondern auch für ihre Mutter und Großmutter. Großmütter übernehmen im Gegenzug eine noch wichtige Funktion in der Pädagogik. Kinder freilich haben weder Geschwister, noch Vettern und Cousinen. Sie sind die wenigen Säulen der Gesellschaft tragen ein großes Dach. Schirrmacher rechnet ab mit einigen Ideologien: z. B. dass die Geschlechter nicht durch ihre Geburt, sondern durch die Kultur geprägt werden. Er trägt dafür die Ergebnisse von unzähligen Studien zusammen. Ausgangspunkt für Schirrmachers Thesen sind Studien über zwei Katastrophen, bei denen sich zeigte, dass die Familie im Krisenfall der beste Lebensschutz ist. Singles haben die geringste Überlebenschance. Ein aufregend gutes Buch. Es hilft simple Gemeinplätze zu widerlegen.

 

Preußen am Tarpejischen Felsen,

Die Geschichte des deutschen Kapitols in Rom 1817- 1918

Von Golo Maurer

„Preußen am Tarpejischen Felsen“ heißt ein mächtiger Band, den ich Ihnen kurz vorstellen möchte. Es ist die Geschichte der Botschaft Berlins in Rom von 1817 bis zum Ende des ersten Weltkrieges. Was heute nur wenige wissen: diese Botschaft stand auf dem Kapitolhügel, was ihre Chance und ihr Verderben war. 100 Jahre war sie also nicht diplomatischer, sondern auch kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt des deutschen Lebens in Rom. Die bedeutendsten Wissenschaftler, Künstler und Politiker aus dem sich bildenden Deutschland sind hier aus und eingegangen. Und sie haben ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude hieß Palazzo Cafarelli. Von hier oben schauten sie auf den Stadt hinunter und über die Dächer bis hinüber zum Vatikan. Aber es war auch für Preußen nicht so einfach, das Kapitol zu erobern. Es dauerte lange bis aus dem Mietsvertrag ein Kaufvertrag wurde. Das Kapitol ist eben das Kapitol. In dem Gebäude war schließlich auch die evangelische Kirche, das einzige Gotteshaus für die vielen Kunst liebenden Protestanten in Rom, denen damals auch eine Gebetsraum noch sehr wichtig war. Es kam aber wie es kommen musste, als Italien am Ende des ersten Weltkrieges zu den Siegermächten gehörte, war dem jungen Staat die preussische Botschaft im Herzen der ewigen Stadt auf dem Kapitolhügel einfach zu viel. Die Preußen mussten gehen. Nun aber hat der Historiker Golo Maurer eine umfassende Geschichte dieses Gebäudes am so genannten Tarpejischen Felsens geschrieben. Man erfährt dabei ungemein viel über die diplomatischen Beziehungen, über Adel, Kunst, Kultur, Wissenschaft. 200 Seiten Text, 40 Seiten Dokumente und Literaturangaben und dann 80 Seiten Fotos. Es ist ganzes Archiv – und auch für Laien gut zu lesen.

 

Der Indische Joseph, Erinnerungen aus meinem Leben

Von Josef Neuner SJ

Verlag die Quelle, Feldkirch

Nichtchristliche Religionen sind die Feinde, die man bekämpfen muss. Mit dieser Überzeugung waren christliche Missionare ums Jahr 1950 in Indien unterwegs. Zu ihnen stieß der junge vorarlberger Theologe und Jesuit Josef Neuner. Ihm gelang, was gar nicht so leicht war: er kam zu der Überzeugung, dass der Hinduismus und Islam nicht zu bekämpfen sind, sondern dass man mit ihren Anhängern einen guten Dialog führen muss. Wer den Lebensweg des heute 95-jährigen erleben will, kann dies jetzt anhand seiner Autobiographie. Neuner war 1926 mit 18 Jahren in den Jesuitenorden eingetreten, hatte die normalen Studien gemacht und wurde mit 30 Jahren als junger Priester nach Indien geschickt. Sieben Jahr verbrachte er in englischen Internierungslagern und lernte dabei zu seiner Theologie auch noch das Denken und die Kultur Indiens kennen. Er kam zu einer tiefen Hochachtung, die ihn aber nicht zur Aufgabe seiner Missionswillens verleitete, sondern diesen läuterte. So ist er heute in ganz Indien bei Christen, aber auch bei unzähligen Hindus und Muslimen als weiser Zeuge Jesu Christi hochgeschätzt. Seinen Dialog-Impuls konnte er als Konzilsteilnehmer vertiefen und ausweiten. Er kannte Mutter Theresa und wurde beauftragt, zu ihrer Seligsprechung ihre Schriften auf ihren theologischen Gehalt zu prüfen. Sein Lebenswerk ist aber wohl die Entdeckung einer neuen Form von Mission, nicht mehr Kampf, sondern Zeugnis.

 

Unterwegs zu Jesus Christus

Von Joseph Kardinal Ratzinger

Sankt-Ulrich-Verlag 16.90 Euro

Es ist kaum zu glauben, wie viel immer wieder aus der Feder von Kardinal Joseph Ratzinger fließt. Kürzlich ist ein Buch mit neueren Betrachtungen, Reflexionen und Vorträgen erschienen. Der Kardinal hat sie unter dem Titel „Unterwegs zu Jesus Christus“ jetzt im Sankt-Ulrich-Verlag herausgegeben. In einem Beitrag setzt er sich mit der Kritik an der vatikanischen Erklärung „Dominus Jesus“ auseinander, in einem weiteren mit der Kritik am Weltkatechismus zehn Jahre nach dessen Erscheinen. Eine ausführliche Betrachtung stellt er an über die Versuchungen Jesu in der Wüste und dann spricht er über „Universalität und Katholizität“. Anlass dafür war der 80.Geburtstag des afrikanischen Kardinals Gantin. Es handelt sich um Veröffentlichungen von verschiedenen Anlässen. Hervorheben möchte ich auch, wie Ratzinger sich immer wieder auch mit den Ergebnissen der modernen Exegese auseinandersetzt und deren Ergebnisse aus eigener Sicht kommentiert. Wer nicht mit Klischees über den Präfekten der Glaubenskongregation zufrieden ist, der liest das neue Ratzingerbuch mit Gewinne.

 

Mutter Teresa, Komm, sei mein Licht

Hg. Brian Kolodiejchuk ,

Verlag: Pattloch 19.95 Euro

Vor ein paar Wochen ging die Meldung um die Welt, Mutter Teresa habe auch Glaubenszweifel gehabt, oft habe sie nicht mehr glauben können, was ihr früher einmal völlig klar gewesen sei. Quelle dieser Meldungen waren ihre geistlichen Aufzeichnungen, die jetzt unter dem Titel „Komm, sei mein Licht – die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen von Kalkutta“ erschienen sind. Tatsächlich erlebte die Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe jahrelang ein geistliches Dunkel schlimmster Art, wie es auch andere Heilige erlebten. Bevor sie ihre neue Gemeinschaft gründete, hatte sie Gott und seinen Ruf so lebendig erfahren, dass nicht anders konnte als dem Ruf zu folgen. Dann aber war plötzlich alles weg, ausgelöscht. Sie klagt über das Dunkel, über Gottferne, über die Nacht, in der sie lebt, und sie schreibt davon mehreren geistlichen Begleitern. Nicht dass sie ihren Einsatz für Gott und die Menschen auch nur ein wenig zurückgenommen hätte, nein sie intensiviert ihn und schreit nach Gott. Er aber scheint nicht zu hören, scheint aus ihrem Leben verschwunden zu sein. Dabei spricht sie oft zu ihren Missionarinnen der Nächstenliebe von der Liebe Gottes, von seiner Zuwendung. Aber es ist reinster Glaube, kein Fünkchen spürbare Erfahrung. Selbst als sie den Friedennobelpreis erhält, lebt sie in tiefster Nacht. Sie nennt ihre Gründung ausdrücklich nicht  i h r e  Gründung, sondern das Werk Gottes. Sie ist nur Werkzeug in seiner Hand. In dem Buch, das einer ihrer Mitarbeiter und spätere Postulator für ihre Seligsprechung, Brian  Kolodiejchuk herausgegeben hat, erfährt man nur wenig über das äußere Leben der Seligen, über ihre Gründungen, Reisen, Ehrungen. Etwas mehr davon hätte ich mir gewünscht. Das Buch kann Menschen ermutigen, die meinen Heilige seien völlig andere Menschen. Nein, Heilige leiden unter den gleichen oder schlimmeren Erfahrungen wie andere Getaufte und Ungetaufte. Ein ermutigendes Buch – gerade auch für Zweifler.



Das Volk ist ein Trost

Zeugnisse von jüdischen Deutschen zwischen 1933 und 1945.

Von Konrad Löw,

Olzog Verlag

Auch wenn im deutschen Namen Millionen von Juden ermordet haben, so ist es dennoch völlig falsch, von Kollektivschuld, Tätervolk, das sich von seinem Führer nie distanziert hat und von speziell deutschem Antisemitismus zu sprechen. Daher sind entsprechende Aussagen von Daniel Goldhagen, Ralph Giordano und anderen entweder Irrtum oder Tendenzaussagen.

Das geht aus einer ganz neuen Veröffentlichung hervor. In ihr kommen Dutzende von Juden zu Wort, die über ihre positiven und negativen Erfahrungen zwischen 1933 und 1945 in Deutschland berichten. Viele von ihnen erzählen vom todesmutigen Einsatz von Nichtjuden zugunsten der Verfolgten. Vielleicht haben Hunderttausende arische Deutsche Nicht-Ariern geholfen und das Leben gerettet. Professor Konrad Löw hat sich der unglaublichen Mühe unterzogen, unzählige Tagebücher, Briefe, Notizen von Juden zu studieren, in denen von den mutigen Taten ihrer Retter berichtet wird. Dass die Juden in Deutschland vor Hitler besser integriert waren als in vielen anderen Ländern, davon weiß jeder Historiker. Von verbreitetem Antisemitismus im dritten Reich kann auch keine Rede sein: Denn die Parteiführung klagte wiederholt darüber, dass das Volk in seiner Breite zu seinen jüdischen Nachbarn stand. Sicher gab es SA und SS und die Partei. Aber Hunderttausende halfen Juden unter Lebensgefahr. Das wird dokumentiert. Im Deutschland des Jahrtausendwende aber zeigte sich im Triumpfzug von Goldhagen ein deutlicher Pisa-Schaden. Löw weist bei ihm und einigen anderen nach, dass sie unseriös und tendenziös arbeiten und die Geschichte verdrehen. Der in Paris lebende bekannte deutsche Jude, Alfred Grosser schreibt Löw ein großes Lob. Er habe immer schon gewusst, dass es Unsinn sei von Kollektivschuld zu sprechen, durch die neue Dokumentation sei er erneut davon überzeugt worden. Durch die Dokumentation werden die Verbrechen an den Juden nicht geleugnet. Sie werden sogar bestätigt, aber es werden die Klischees beseitigt, das ganze Volk hätte vom Judenmord gewusst und ihn mitgetragen. Die meisten Juden und Nichtjuden wussten nichts  vom Ausrottungsplan. Jeder Deutsche aber wusste: wenn ich einem Juden helfe, riskiere ich den Tod. Daher versuchte das Regime auch, alle Maßnahmen gegen Juden zu verbergen. Das breite Volk hat die Judenvernichtung nicht mitgetragen, sondern aus Angst weggeschaut oder mit Angst geholfen.

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Weltmacht Vatikan, Päpste machen Politik

Von Ludwig Ring-Eifel

Haben die Päpste der letzten 100 Jahren die Politik Europas und der Welt mitbestimmt? Oder sind die unzähligen Aufrufe zu Frieden und Gerechtigkeit nur Zeichen des guten Willens? Wird die Bemühung von Papst Johannes Paul II. und seiner Diplomaten überschätzt, den Ostblock zu stürzen, das Nahostproblem zu lösen und Europa aufzubauen? Antwort auf diese Fragen gibt ein Buch, das soeben erschienen ist. Es heißt „Weltmacht Vatikan – Päpste machen Politik“, und stammt aus der Feder des deutschen Journalisten Ludwig Ring-Eifel. Vor rund 120 Jahren schien das Papsttum am Ende seiner Macht und Herrlichkeit, heute haben 170 Staaten diplomatische Beziehungen zum Vatikan, denn sein Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Nicht einmal die USA können es sich leisten, über päpstliche Kritik lächelnd hinwegzugehen. Wie kam es, dass ein Staat, der sein ganzes Territorium verlor, dennoch Macht und Einfluss gewann? Ludwig Ring-Eifel zeichnet den geschichtlichen Weg der letzten 120 Jahre, aber auch Ziele, Methoden und Instrumente, mit denen die Päpste von Pius XI. bis Johannes Paul II. den Weg der Welt beeinflusst haben. Gerade wegen ihrer politischen Ohnmacht haben die Kirchenoberhäupter Autorität gewonnen. Es kam dabei sowohl auf die diplomatische Tradition des Vatikans an wie auch auf den Mut und das Geschick des jeweiligen Papstes. Fazit: Das Papsttum kann den Lauf der Geschichte nicht einfach ändern, aber es kann Bewegungen, die sich anbahnen beschleunigen, verlangsamen oder auch leicht abbiegen. Wer am Weltgeschehen verzweifeln möchte, schöpft bei der Lektüre des Buches Hoffnung. Auch moralische Argumente und Sympathien sind nicht ohnmächtig.

Wer die jüngste Geschichte aus kirchlicher Sicht nicht vergessen und den Beitrag der Päpste kennen lernen will, liest mit größtem Nutzen Weltmacht Vatikan.

 

Jesus von Nazareth

Von Joseph Ratzinger - Benedikt XVI

Verlag: Herder

Das Jesus-Buch von Joseph Ratzinger, alias Papst Benedikt, ist ein wissenschaftlich begründetes Glaubensbekenntnis. Es ist seine fachtheologische Annäherung an den Herrn der Kirche. Es handelt sich um die sehr anspruchsvolle Studie eine Theologieprofessors, der mit den Methoden der katholischen Theologie zeigen will, wer Jesus von Nazareth war, was er lehrte und warum man ihn als Sohn und Offenbarer Gottes bekennen kann.

Ratzinger-Benedikt setzt sich mit vielen Kollegen auseinander und zeigt, warum man auch in einer aufgeklärten Welt zu historisch sicheren Aussagen über den Mann aus Nazareth kommen kann.
Seine besondere These: Wer glaubend anerkennen kann, dass Jesus nicht nur ein interessanter Mensch, sondern Gottes Sohn war, der versteht vieles in den Evangelien, was sich sonst nur schwer erklärt.
Trotz allem, was man an erbaulicher Glaubenshilfe in dem Band findet, sind doch viele Passagen für Nicht-Theologen hartes Brot. Der Theologe aber sieht, dass Kollege Ratzinger die gesamt katholische und evangelische Fachliteratur verarbeitet hat. Hier die bezeichnenden Kapitelüberschriften: Taufe und Versuchungen Jesu, Reich Gottes, Bergpredigt, Gebet des Herrn, Jünger, Gleichnisse, johanneische Bilder, Petrusbekenntnis, Verklärung und Selbstaussagen Jesu.

Ratzinger-Benedikt wehrt sich gegen die verbreitete Auffassung, man komme wissenschaftlich nur zu einem schemenhaften historischen Jesus. Er möchte beweisen: man kommt durch die Evangelien auch zum Christus des Glaubens.

Ich möchte Nicht-Theologen aber nicht entmutigen, das Buch zu lesen. Sie sollten vielleicht mit dem Kapitel über das Vaterunser anfangen, dann die Versuchungen und die Gleichnisse Jesu lesen. Mich bewegt es, wenn der Autor vom biblischen Text zu heutigen Fragen und Problemen durchstößt, so etwa zur Not in Afrika, zum heutigen Atheismus, zur verbreiteten Ansicht, Menschen lebten ohne Gott ebenso wie Gläubige.

Ein wichtiges Buch, das gerade auch Nachdenkliche und Sucher aufmerksam lesen sollten.



Die Himmelsstürmerin, Chinas Staatsfeindin Nr.1.

Autorin Rebiya Kadeer, Alexandra Cavelius

Verlag Heyne

Noch vor der Olympiade in Peking sollten Sie bitte das Buch „Die Himmelsstürmerin“ von  Rebiya Kadeer lesen. Darin erzählt Chinas Staatsfeindin Nr.1 – wie sie im Titel heißt - ihr Leben. Das Buch hat mich aufgewühlt. Die heute fast 60-jährige Uigurin und Mutter von elf Kindern hat sich von der Wäscherin zur Multimillionärin heraufgearbeitet, hat das Regime in Peking scharf kritisiert, saß fünf Jahre im Gefängnis und wurde dann in die USA ausgewiesen. Neben den Tibetern, die von Peking brutal unterdrückt werden, gibt es im Westen Chinas das uralte Volk der rund 10 Millionen Uiguren, dem Rebiya Kadeer angehört. Sie hatte schon in jungen Jahren auf ihre Fahnen geschrieben, ihr Volk von der chinesischen Überfremdung und Unterdrückung zu befreien. Es geht der gläubigen Muslimen um die religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Grundrechte ihrer Landsleute in Xinjiang, dem ehemaligen Ostturkestan. Sie findet ständig neue Wege, um wirtschaftliche Nischen auszunützen und wird die große Geschäftsfrau, gründet mehrere Warenhäuser, steht im Tuch-, Holz-, Eisenhandel. Macht Geschäfte in  Shanghai und Peking, sowie in den zentralasiatischen Republiken. Das Regime in Peking beruft sie daher in die Nationalversammlung und versucht so, sie gefügig zu machen. Nachdem dies nicht gelingt, wird sie zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Hier erlebt sie schlimmste Brutalität, wird selbst in Einzel- und Dunkelhaft psychisch gefoltert und schließlich auf Druck von Amnesty International und human rights watch in die USA geschickt. Fünf ihrer Kinder bleiben in China und werden jetzt wegen des Kampfes ihrer Mutter für die Uiguren verfolgt. Der deutschen Journalistin Alexandra Cavelius hat Rebiya Kadeer jetzt ihr Leben für eine Biographie erzählt. Die große Freiheitskämpferin wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Da viele Europäer voll Bewunderung auf das Reich der Mitte schauen und da wir von der Olympiade wie zu Hitlers Zeiten geblendet werden, sollten wir dieses Buch lesen und würdigen. Millionen unterdrückter und gefolterter Bürger Chinas haben es verdient, von uns beachtet zu werden.

 

Die Geschichte der Jesuiten

Von Rita Haub ,

Verlag Primus, 29.90 Euro

Das Wort „Jesuiten“ hat einen eigenartigen Reiz. Es ist, wie wenn man etwas halb verbotene Frucht hinlangte. So kann die soeben erschienene „Geschichte der Jesuiten“ mit einem Vorinteresse rechnen. Die Autorin Rita Haub versteht es, für Nichtfachleute den Staub der Vergangenheit wegzukratzen und unzählige Details zu erzählen, die die Geschichte ganz lebendig machen. Sie erzählt die Geschichte an Hand der herausragendsten Persönlichkeiten und konzentriert sich auf ein deutschsprachiges Publikum. So liest man Kurzbiographien der Gründer Ignatius von Loyola und Franz Xaver, der Pioniere in Indien, China, Brasilien und Bolivien mit klingenden wie Matteo Ricci und Adam Schall von Bell, der Martyrer vor allem des 20. Jahrhunderts mit Rupert Mayer und Alfred Delp. Man erfährt gründlich, warum die Jesuiten barocken Königen verhasst waren und dann verboten wurden, wie sie durch Protestanten und Orthodoxe überlebten, warum Bismarck, manche Schweizer und später viele Diktatoren in Lateinamerika sie hassten. Man erfährt von kritischer Papsttreue. Im Anhang gibt es hervorragende Überblicke über Geschichte, Literatur, die zahlenmäßige Entwicklung und die Generaloberen.

Im Januar 2008 wählt die Gesellschaft Jesu einen neuen Generaloberen. Wer dieses historische Faktum besser verstehen und einordnen will, liest mit Gewinn die „Geschichte der Jesuiten“ von Rita Haub.

 

Die Jahre der Vernichtung,

Das Dritte Reich und die Juden  1939 – 1945

Von Saul Friedländer

C.H.Beck-Vg - 34.90 Euro

Ich möchte Ihnen heute gleich zwei Bücher vorstellen, die in gewissem Gegensatz stehen: Der Jude Saul Friedländer diagnostiziert, dass Hitlers Hass gegen Juden seine die tiefste Motivation gewesen war. Der Christ Konrad Löw urteilt: unzählig viele Juden bezeugen ihre Rettung durch mutige Christen. Gemeinsam ist beiden Büchern: Hitler musste die Judenverfolgung nicht nur vor dem Ausland, sondern auch vor den Deutschen möglichst verbergen. Auch wenn Antisemitismus wuchs, so war er doch keineswegs allgemein verbreitet. Freilich konstatiert Friedländer: die besetzten Staaten haben bei der Judenauslieferung weitgehend mitgemacht. Seine Quellen sind vor allem Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Notizen von Verfolgten. Er wählt die Opferperspektive, obwohl er auch die Täter ausführlich zitiert. Seine Hauptthese: Hitler vermutete hinter Kommunismus und Kapitalismus die Juden. Er sprach immer wieder wage vom Kampf gegen den „Erbfeind der Menschheit“. So konnte er Angst schüren und Menschen mobilisieren. Papst Pius XII. beurteilt er maßvoll. Geschwiegen habe Pius vor allem, weil Hitler ein Bollwerk gegen die mehr gefürchteten Bolschewisten war, weil er umgekehrt Juden durch seinen Protest nicht gefährden wollte.

 

Noch eine Runde auf dem Karussell, Vom Leben und Sterben

Von Tiziano Terzani

Verlag Hoffmann und Campe

Ein moderner Mensch auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens, nach dem Sinn von Leben und Sterben, von Krankheit und Gesundheit. Eine wahre Odyssee durch halb Asien und Amerika. Das ist die Geschichte des italienischen Journalisten Tiziano Terzani ab dem Tag, als er hörte, dass er Krebs hat. Nach schweren Operationen, nach Bestrahlung und Chemotherapie in New York sucht der studierte China-Fachmann Heilung in Indien, Thailand, Hongkong, auf den Philippinen und schließlich auf dem Himalaya. Weil die – wie er schreibt – „Instandsetzer“ in den USA sich nur um seinen Körper, nicht aber um seine Person und seine Seele kümmern, sucht er Hilfe bei der traditionellen Medizin Asiens, kommt indischen Weisen und auch zu Wunderheilern und Zauberern, lebt in hinduistischen Ashrams. Im Lauf seiner jahrelangen Wanderschaft wird ihm immer deutlicher, worum es eigentlich geht: nicht um einen gesunden Körper, sondern um eine neue Lebenseinstellung. Es geht vor allem darum, dass nicht nur über das Funktionieren des Körpers und  die Gesundheit gesprochen wird, sondern auch über das Sterben. Es geht um Gleichmut, um Annahme, um ein Ja zu Tod und Leben. Einmal meint er: Wie Hebammen ins Leben, so müsste andere Fachleute ins Sterben einführen. Der katholische getaufte Italiener Terzani aber spricht auf seinen über 700 Seiten mit keinem Sterbenswörtchen vom Gott Jesu Christi, von der Kirche. Sie spielen in seinem Suchen überhaupt keine Rolle. Dies ist eine Botschaft eben an diese Kirche. Gegen Ende gesteht er, dass er nicht nur im Himalaya seine seelische Ausgeglichenheit finden sollte, sondern auch in einem Leben, das sich für Frieden, Gerechtigkeit und Liebe engagiert. Ein sehr lesenswertes Buch eines modernen Globetrotters, der sich den Fragen von Millionen nachdenklicher Zeitgenossen stellt. Die Diagnose Krebs hat ihn auf den Weg eines tieferen Denkens und Liebens geführt. Er ist dankbar dafür und kann mit der Krankheit leben.

 

Schwarzbuch Scientology

Ursula Caberta

Verlag: Gütersloher Verlagshaus, rund 18.00 Euro

Scientology wird als Gefahr für unsere Gesellschaft immer noch unterschätzt. Die Geheimorganisation will eine Zwangsgesellschaft aufbauen und unterwandert Schulen, Universitäten, Kultur, Industrie und Politik. Ursula Caberta, die in der städtischen Behörde für Inneres in Hamburg arbeitet, hat jetzt einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Gesellschaft aufmerksamer ist auf die Unterwanderung durch Scientology. Die Gruppe versucht nach wie vor – teils mit Erfolg – sich als Religion und Kirche zu tarnen. Dabei ist sie weder das eine noch das andere. Sie betreibt Psychoterror. Das Buch wendet sich insbesondere an Eltern und Pädagogen, um Kinder vor dem Zugriff der Sektierer zu schützen. Jugendliche sind besonders gefährdet. Gefährlicher aber ist vielleicht noch das stille Vordringen von Scientology in Industrie und Handel. Scientology hinterlässt aber kaum sichtbare Spuren. Nur ihre Anhänger werden unter Druck gesetzt, die Gesellschaft zu manipulieren. Lüge, Betrug und Bestechung sind selbstverständlich. Gut ist, was Scientology nützt. Freilich gelingt es immer wieder Mutigen, sich aus den Fängen der Manipulatoren zu befreien. Aber das kostet Zivilcourage und fordert ein gutes Selbstwertgefühl. Denn die Sektierer versuchen alles, um im Dunkeln zu bleiben. Man hätte sich in dem Buch noch mehr Informationen darüber gewünscht, welche Firmen, Marken und Organisationen schon von Scientology unterwandert sind. Doch dies scheiterte vermutlich an unserer Rechtsordnung. Sie schützt wohl mehr das Geheimnis als die Aufdeckung, wenn kein Straftatbestand feststeht. Man wünscht sich auf jeden Fall das Buch in die Hände von vielen Politikern und Medienschaffenden. Sie müssen bestmöglich informiert sein über das, was uns mehr bedroht als Waffen, die man kennt und fürchtet.

 

Weg und Weite, Festschrift für Karl Lehmann

Hg . von Albert Raffelt

Verlag: Herder, 98 DM

Die Festschrift für Kardinal Karl Lehmann anlässlich der Vollendung seines  65.Lebensjahres ist nicht leicht vorzustellen, denn der 800 Seiten starke Band bietet eine Fülle von Beiträgen aus den verschiedensten Bereichen des Wissens und der Kunst. 55 Theologen, Philosophen und andere Wissenschaftler wollten  Lehmann ehren. Übergreifend für den gesamten Inhalt ist – nach Auskunft der Herausgeber – der Begriff „Transzendenz“, der Gottesbezug des Menschen. Lehmann selbst hatte einmal erklärt: Es ist schwerer geworden, wenigstens einen Spalt der Tür zur Transzendenz, zu Gott und Ewigkeit zu öffnen. Die Beiträge sind in folgende vier Gruppen eingeteilt: Exegese bzw. Patristik, Philosophie,  Theologie und Fragen zwischen Staat und Kirche heute. Es würde zu weit führen, den Versuch zu wagen, sie inhaltlich vorzustellen. Nur ein Beitrag sei ausdrücklich genannt, der von Kardinal Joseph Ratzinger, der nach der Wahrheit des Christentums fragt. Gemeinsam ist allen, dass sie Lehmann als Kollegen, als Lehrer, als Kirchenmann ehren wollen. Das Buch spiegelt das Echo auf die Arbeit Lehmanns in kirchlichen, ökumenischen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Feldern. Lehmann  gilt ihnen als glaubwürdiger und dialogfähiger Gesprächspartner. Durch viele Stationen der letzten Jahre hat er die Tradition und Position der katholischen Kirche ohne Identitätsverlust und in Offenheit für andere Positionen vertreten und ins Gespräch gebracht. Dies zeigt sich gerade auch in den einleitenden 35 Grußworten von herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Wissenschaft. Unter ihnen Rau und Thierse, Schröder und Weizsäcker, die Kardinal Sodano und Vlk, weiters mehrere evangelische Bischöfe, viele Ministerpräsidenten, Intendanten.

Das Buch zeigt wirklich die hohe Wertschätzung, die der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferrenz in Kirche und Gesellschaft genießt.


Die Inquisition, Eine Chronik des Schreckens

Von Josef Dirnbeck

Pattloch-Verlag, 49,90 DM

Inquisition - ein Wort, das einen Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Scheiterhaufen, Folterkeller, Spitzelwesen - durch eine Kirche, die meinte, auf diese Weise die Wahrheit Jesu Christi schützen und verteidigen zu müssen. Der österreichische Schriftsteller Josef Dirnbeck hat jetzt ein Riesenwerk dazu herausgebracht, in dem er akribisch der Geschichte der Inquisition nachgeht, ihren Ursachen und Begründungen, ihrer Entwicklung und ihren Methoden, ihren Tätern und ihren Opfern bis hin zur Bitte des Papstes um Vergebung für die Irrtümer der Kirche. Es beginnt im Keime schon zu dem Zeitpunkt, da die Kirche von Kaiser Konstantin öffentlich anerkannt wird. Ein Höhepunkt tritt dort ein, wo im Mittelalter Häresien auftauchen und die Häretiker zu Ketzern werden, dann kommt die eigentliche Inquisition, die Nachforschung nach Ketzerei und der Versuch, ihre Verfolgung theologisch zu rechtfertigen. Es geht um Waldenser, Böhmische Brüder, Templer und Alumbrados, um Jan Hus, Jeanne d´Arc, Giordano Bruno und Galileo Galilei, um Hexen und den Teufel. Das letzte Kapitel heißt "Versuch eines Schlussstrichs". Richtig heißt es auf dem Buchumschlag: "Wer sich auf die Inquisition einlässt, wer sich in jene Zeugnisse menschlicher Abgründe vertieft, die ihm in den Akten und Dokumenten begegnen, kann sich nicht heraushalten. Er kann sich nur aussuchen, wie er sich dazu verhält."

Auch dieses Buch kann den Glauben an die göttliche Gründung der Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in den eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und dabei nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein.



Die Päpste,

Von Josef Gelmi

Topos-Taschenbuch, 8.90 Euro

Seit der Wahl von Papst Benedikt ist das Interesse am Papsttum gewachsen. So ist es verständlich, dass in der bekannten Topos-Reihe ein Bändchen mit mit Kurzbiographien aller Päpste erschienen ist. Der bekannte Papstbiograph aus Südtirol Josef Gelmi bringt das Leben der Petrusnachfolger jeweils gut verständlich für Laien auf den Punkt. Er verliert sich nicht in Einzelheiten, sondern malt in kurzen Strichen ein Portrait, das sich einprägt. So werden aus Namen Persönlichkeiten. Im ersten Jahrtausend sind die Quellen meist dürftig, dann aber schafft es Gelmi eben so zusammenzufassen, dass der Laie sich ein Bild machen kann. Wer sich für Geschichte interessiert, sollte das Buch in Griffweite haben.

 

Papst Clemens VII. und Michelangelo

Das jüngste Gericht in der sixtinischen Kapelle

Von Hermann Fillitz

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 19.00 Euro

Wussten Sie schon, dass Michelangelo auf dem jüngsten Gericht in der Sixtinischen Kapelle auch einige seiner Zeitgenossen abgebildet hat? Mir war es bisher nicht bekannt und ich habe auch nicht darüber nachgedacht. Die beiden größten Figuren zur Rechten und zur Linken Christi seien Papst Clemens VII. und Kaiser Karl V. So schreibt der Kunsthistoriker Hermann Fillitz in einem soeben erschienen Buch der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wer dieses so genannte Jüngste Gericht auch nur ein bisschen genau angesehen hat, erkennt leicht, dass die Schlüssel, die der Petrus in der Hand hält, ziemlich defekt sind. Sie sagen: Das Petrusamt funktioniert nicht mehr, die Lage der Kirche ist verzweifelt. Das war sie genau zur Zeit Clemens VII, der Michelangelo mit dem Gemälde beauftragt hat. Die große Figur auf der anderen Seite Christi zeigt Kaiser Karl V. Das sieht man auch an einem Vergleich dieses Kopfes mit einem Kaiserportrait auf einer zeitgenössischen Münze. Papst Clemens wollte von Michelangelo darstellen lassen, wie er sich mit dem Kaiser zusammen um die Wiederherstellung der Kirche mühte. Daher seine Idee, dieses Bildnis an der Stirnseite der Sixtina malen zu lassen. Alles andere in dem Buch ist Begründung und Ergänzung dieser Grundthese. Ich finde den Band sehr spannend, weil er die Geschichte der schwierigen Reformationszeit zusammenbringt mit der größten Kunst der damaligen Zeit. Und vor allem lehrt das Beispiel, dass viele künstlerische Darstellungen eine wesentlich tiefere als nur die ästhetische Bedeutung haben. Michelangelo hatte ja ein ganzes theologisches Programm für die Decke der Sixtina. An so etwas denkt der Nichtfachmann weniger wenn er die Bilder bewundert. Aber eine so kleine Entdeckung wie die zerbrochenen Schlüssel in den Papsthänden beginnen Geschichten zu erzählen, auf die man erst beim zweiten Schauen kommt.

 

Das Antlitz Christi – Grabtuch – Veronika

Von Andreas Resch,

Resch-Verlag, Innsbruck, 14.90 Euro

Kein Wunder, dass sich die Christen seit 2000 Jahren fragen, wie Jesus von Nazareth ausgesehen hat. Wer zu ihm betet, möchte sich ihn vorstellen. Die Kirche der ersten Jahrhunderte aber erklärte kategorisch: Eine Abbildung Jesu ist nicht erlaubt, denn sein menschliches Antlitz ist nach seiner Auferstehung unwichtig. Der Wunsch aber, sein Antlitz zu schauen, blieb. Heute nun gibt es eine Reihe von ernsthaften Wissenschaftlern, die davon überzeugt sind: wir wissen, wie Jesus aussah. Es gibt Abbildungen, die ihn zeigen. Aber kein Mensch, weiß, wie das Bild auf die Unterlage kam. Daher werden sie als „nicht von Menschen gemachte“ Bilder bezeichnet. Das eine sieht man auf dem Grabtuch von Turin, das andere auf der so genannten „Veronika“. Nun hat der Innsbrucker Professor für Paranormologie Andreas Resch eine wissenschaftlich Arbeit über die Darstellung des Antlitzes Christi mit vielen Abbildungen vorgelegt. Nicht nur decken sich die Maße der Gesichter auf Grabtuch und „Veronika“. Das haben Computertests vielfach bestätigt. Sie decken sich auch mit vielen uralten Christusdarstellungen in Katakomben und auf berühmten Bildern. Daraus geht freilich nicht hervor, dass die abgebildete Person Jesus von Nazareth ist. Aber es gibt die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der französische Agnostiker Yves Delage hat schon vor über 100 Jahren nüchtern festgestellt, dass es sich nach ihr um Jesus von Nazareth handelt.



Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII zu Johannes Paul II:

Von Georg Schwaiger

Verlag C.H.Beck. 30 Euro

Der jüngste Papstwechsel schafft Interesse für die Geschichte der Päpste – vor allem der letzten. Was waren das eigentlich für Menschen: der Sozialpapst Leo XIII, der Fromme Pius X,  der Friedenspapst Benedikt XV, der Mann aus der Bibliothek, Pius XI? Und die weiteren bis zum eben Verstorbenen. Antwort auf diese Fragen finden sich in dem Band „Papsttum und Päpste des 20. Jahrhunderts“ von Georg Schwaiger. Da gab es Päpste aus ärmsten Verhältnisse und noblen Diplomatenfamilien, da gab es Kerngesunde und Kränkelnde, da gab es kritische Theologen und einfach Fromme. Sie lagen irgendwie auf einer Linien und waren doch grundverschieden. Italiener waren sie außer dem zuletzt Verstorbenen. Aber auch Italiener sind nicht alle gleich. Und die Herausforderung war jeweils ganz verschieden. Jeder musste sich mit den Grenzen seines Vorgängers auseinander- und doch seine Linie fortsetzen. Papstsein bedeutet Herausragen und doch Einordnen, groß sein müssen, obwohl man sich klein fühlt. Das zwanzigste Jahrhundert bedeutet auch: Übergang vom Hängen am alten Kirchenstaat zur Freude über dessen Ende. Man muss sich wundern, dass die Kirche all die Stürme überlebt. Auch die Stürme Mussolini, Hitler, Stalin, Aufklärung und 2. Vatikanum.


Pilger gegen die Macht

Von Paul Verbeek

St.Ulrich-Verlag, Augsburg, 16.90 Euro

Unendlich Vieles ist in den letzten Jahren über Papst Johannes Paul II. und den Fall der Mauern in Europa geschrieben worden. Es mag schwer sein, wirklich Neues hinzuzufügen. Das Buch des ehemaligen deutschen Botschafters beim Apostolischen Stuhl, Paul Verbeek, das ich Ihnen vorstellen möchte, fügt Neues hinzu. Er hat selbst dreißig Jahre lang als Diplomat an den politischen Bemühungen um Entspannung zwischen Ost und West aktiv teilgenommen und zuletzt Worte und Taten des Papstes, die zum Fall der Mauern beitrugen, aus nächster Nähe beobachtet. In seinem Buch ordnet er die päpstliche Handeln in die Zeitumstände ein: Der Ostblock war wirtschaftlich am Ende, er konnte mit der Rüstung des Westens nicht mehr mithalten, in den USA fuhr Präsident Reagan einen scharfen antikommunistischen Kurs, Helmut Schmitt hatte den Doppelbeschluss durchgesetzt. Auf diesem Hintergrund hatte jedes Papstwort besonderes Gewicht. Er zählte aber primär nicht auf Waffen und Worte, sondern auf das Wissen, dass das kommunistische System sich als untauglich erwiesen hatte und so an sein Ende gekommen war. Die Versprechungen des Marxismus-Leninismus hatten sich als Irrtum erwiesen – und das wussten vor allem die Machthaber im Osten selbst. Die Kunst des Papstes bestand darin, mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl jede Chance auszunutzen. Er musste Heißsporne - auch in Polen - mäßigen und Resignierte aufmuntern. Der Papst hatte zwar eine außerordentliche Gabe der Diagnose, aber vor allem die Vision, dass das östliche Bild vom Menschen falsch war und das Politiksystem niemanden mehr überzeugte. Verbeek scheut nicht davor zurück, ganz persönliche Erlebnisse im Vatikan und bei seinen diplomatischen Einsätzen zu erzählen. Das gibt seinem Werk außergewöhnliche Authentizität. Er zeigt sich als zuverlässiger Augenzeuge. Wer Macht und Diplomatie des Vatikans verstehen möchte, liest das Buch „Pilger gegen die Macht“ von Paul Verbeek mit Gewinn.