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Titel: Mein Leben mit dem
Papst: Johannes
Paul, wie er
wirklich war
Autor: Stanislaw Dziwisz
Verlag: St.
Benno, Leipzig
Es ist schon ziemlich ungewöhnlich, dass der Privatsekretär
eines Papstes schon kurz nach dem Tod seines Chefs ein Buch herausgibt,
in dem
er ausführlich von seinem Vorgesetzten spricht. Freilich ist das
Buch nicht nur
von Kardinal Stanislaw Dziwisz geschrieben, sondern ganz wesentlich
durch die Zusammenarbeit mit dem italienischen
Journalisten und Papstkenner Gian
Franco Svidercoschi. Der hat nämlich den ehemaligen
Papstsekretär ausführlich
befragt. Man erfährt nichts Spektakuläres, aber das Besondere
ist dann eben
doch, dass der Mann, der 40 Jahre lang an der Seite des polnischen
Bischofs und
Papstes gelebt hat, Alltägliches erzählt. Das
Alltägliche wird dann
unterbrochen, wenn es um die Wahl von Kardinal Woityla auf den Stuhl
Petri geht, um das Attentat auf den Papst, um den
Besuch beim Attentäter, um das Sterben des großen Polen. Es
ist eben schon
etwas Besonderes, wenn ein Mitspieler von dem Spiel um Leben und Tod,
um
Wahrheit und Liebe, um Einheit und Frieden spricht. Dziwisz war
Mitspieler und
nicht Beobachter. Jetzt erzählt der Mitspieler.
Titel: Maximum, wie der Papst Deutschland
verändert
Autor: Martin Lohmann
Verlag:
Gütersloher Verlagshaus
Schon vor
einem Jahr hat der engagierte Katholik Martin
Lohmann die These veröffentlicht, dass sich Deutschland und die
religiöse Lage
des Landes durch die Wahl des Deutschen Joseph Ratzinger auf den Stuhl
Petri
verändert habe. Habe man sich früher eher geschämt,
katholisch zu sein, so sei
dies wieder interessant geworden. Die Stimmung habe sich deutlich
verändert,
das allgemeine Interesse an Religion habe sich auch für die
katholische Kirche
positiv ausgewirkt, und daran sei gerade auch Papst Benedikt schuld. Er ziehe durch sein
Auftreten, vor allem aber durch
seine Schriften, seine geistigen Positionen Interesse auf sich. Auch
Kirchenferne zollten ihm Hochachtung. Ich bin mir nicht sicher,
inwieweit hier
der Wunsch der Vater des Gedankens ist, sicher aber ist die
Aufmerksamkeit auf
die Spitze der katholischen Kirche gestiegen. Konnte man Johannes Paul II. in Deutschland links liegen
lassen, so fordert Benedikt
mehr Aufmerksamkeit. Lohmann nennt seine These sehr pointiert Maximum,
denn
jeder Christ sei nicht zum Minimum, sondern zum Maximum berufen. Sein
Wunsch:
Christen sollen den Mut haben, das Heft für Gerechtigkeit und
Frieden im Namen
Gottes wieder in die Hand zu nehmen.
Titel: Etikettenschwindel
Familienpolitik
Autor: Martin Lohmann
Verlag
Gütersloher Verlagshaus
Der bekannte katholische
Journalist Martin Lohmann setzt
sich sehr kritisch mit der deutschen Familienpolitik auseinander. Er
spricht
schlicht von einem Etikettenschwindel, denn die eigentliche Frage nach
der
Bedeutung von Familie und Kindern sei
überhaupt nicht im
Blick. Die Kritik ist sicher gut, wichtiger aber scheint mir dabei die
Grundfrage, ob die Politik sich überhaupt für die Grundlagen
der Gesellschaft
interessiert oder nur kurzfristigen Wahlzielen und Gruppeninteressen
nachläuft.
Lohmann hilft das Problem einzuordnen, setzt sich mit der Genderfrage auseinander, gibt Verstehenshilfen aus der
Geschichte, der Sozialwissenschaft, zitiert aus der katholischen
Soziallehre
und aus kirchlichen Verlautbarungen. Man mag manche von Lohmanns Thesen
übertrieben finden, aber kommt nicht darum herum, mit ihm zu
registrieren: Wenn
der Umgang mit Familie und den Kindern so weitergeht wie bisher, dann
ist es
mit dem Land der Dichter und Denker bald zu Ende. Man wünscht sich
das Buch in
die Hand von vielen Wählern.
Titel:
Hitlers
Theologie
Autor: Rainer Bucher
Verlag: Echter
Hatte Adolf
Hitler nicht nur einen
unstillbaren Machthunger und Größenwahn, sondern auch eine
wirkliche Ideenwelt,
eine Weltanschauung, gar eine Theologie, eine bestimmte Sicht von Gott
und daher
auch eine bestimmte Sicht auf Mensch und Welt? – Ja er hatte sie und er
hätte
wohl ohne diese Ideologie keinen politischen Erfolg gehabt. Denn sein
Nationalsozialismus, seine Rassenlehre, sein Antisemitismus waren ein
System,
das gerade diejenigen verführte, die selbst keine Weltanschauung
hatten. Nicht
nur dass Hitler wiederholt von der Vorsehung
sprach, die ihn berufen und dorthin gebracht hatte, wohin er selbst
wollte,
Hitler antwortete auch auf theologische Vorstellungen, die ihm fremd
und
feindlich waren. Fremd war ihm der Universalismus. Für ihn gab es
eben nur die
eine Rasse, das eine Volk und den von der Vorsehung berufenen
Führer.
Rainer Bucher legt jetzt
dazu ein Buch
vor. Der Pastoraltheologe ist davon überzeugt, dass Hitler sein
Politikprojekt
im Namen eines Gottes verkündete, dass er seine Pläne
über theologische
theologische Begriffe konzipierte und
legitimierte. Diese theologischen Begriffe spielten eine zentrale und
tragende
Rolle. Wenn wir die Fehler der heutigen Zivilisation erkennen und
bekämpfen
wollen, ist es nützlich, das Klavier zu kennen, auf dem Hitler
seine frommen
Lieder gespielt hat.
Titel: Paulus von
Tarsus, Archäologen auf den Spuren des Völkerapostels
Autor: Michael
Hesemann
Sankt-Ulrichs-Verlag
In
wenigen Wochen beginnt das „Paulusjahr“. Die katholische Kirche gedenkt
des
2000 Todestages des Völkerapostels, auch wenn das genaue Datum
nicht feststeht.
Rechtzeitig dazu hat der Erfolgsautor Michael Hesemann eine
allgemeinverständliche Biographie des Paulus verfasst. Der Exeget
wird dazu
sagen: Kritische Geschichtsschreibung ist das nicht, der Interessierte
aber
wird seine Freude daran haben. Hesemann hat sich auf eine Paulus-Reise
begeben
und erzählt, was ihm in Tarsus, in Jerusalem, in Damaskus, in
Athen und Korinth
bis schließlich in Rom über den ehemaligen Saulus
erzählt wurde, und was er
jeweils gesehen hat. Sicher wird mancher Historiker den Kopf
schütteln, aber
das mindert nicht die Lesefreude dessen, der schon weit gereist ist und
dann
auch mal auf den Spuren des Paulus wandert. Wenn das Buch dazu
anleitet, einmal
die echten Paulusbriefe auf Biographisches abzuklopfen, ist das schon
ein
Gewinn, denn für viele Christen ist ja der Paulus eher ein
Stück mühsame Theologie. Das Buch macht Lust, Paulus besser
kennen zu lernen.
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Titel: Roma Christiana, Vatikan, Rom, römisches Umland
Autor: Erwin Gatz
Verlag: Schnell und
Steiner
Es gibt unendlich viele
Romführer. Romreisende tun sich
schwer, den richtigen zu finden. Ich möchte ihnen den empfehlen,
den ich für
exzellent halte: Es ist der Band Roma christiana von Erwin Gatz, dem Historiker und
Rektor des
Kolleg am Campo Santo Teutonico. Wenn sich ein bekannter Historiker die
Mühe
macht, einen Romführer zu schreiben, meint er es ernst. Die
vierhundertseitige
Band ist jetzt bereits in dritter Auflage erschienen. Was ist das
Besondere?
Gatz konzentriert sich auf das christliche Rom, ohne das heidnische und
moderne
links liegen zu lassen. Daher führt er ausführlich durch den
Vatikan, die
Hauptkirche, die Katakomben. Beim Gang durch die Stadtviertel kommt
dann auch
das vorchristliche antike Rom in den Blick. Aber der Historiker Gatz
schaltet
dem Ganzen Stadt- und Kunstgeschichte voraus und macht am Ende einen
Ausflug in
die Umgebung Roms ein. Auch wenn das Ganze notwendigerweise nur einen
ersten
Überblick über das ewige Rom bieten kann, so erfährt der
aufmerksame Leser doch
unzählige Details, die Neugier wecken, gelegentlich genauer
hinzuschauen. Gut
gewählte Farbbilder machen Lust, Rom einmal persönlich zu
erobern und an den
heiligen Stätten nieder zu knien, die Rom wie es im Titel
heißt zu „Roma
christiana“ gemacht haben.
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Titel: Der
aufgeklärte Gott
- Wie die Religion zur Vernunft kam.
Autor:
Alexander Kissler
Verlag Pattloch
Auf dem Markt
religiöser Bücher boomt
es ein wenig. Der Kampf um Gott ist in vollem Gange. Ich möchte
Ihnen ein Buch
vorstellen, das Ihnen vielleicht hilft, mit Gott wieder etwas anfangen
zu
können. Es gehrt freilich nicht über das Herz, sondern
über den Verstand. Der
Titel „Der aufgeklärte Gott“. Autor ist der SJ-Journalist
Alexander Kissler. Es
ist schon anspruchsvolle Kost, wenn man mit Kissler durch die
europäische
Denkgeschichte marschiert und dabei gescheiten Leuten begegnet: Um nur
einige
der Bekanntesten zu nennen: Lessing und Kleist, Voltaire und Kant,
Häckel und
Giordano Bruno. Es geht dabei nicht nur um den persönlichen
Glauben Einzelner, sondern
vor allem heute um die Zivilisation Europas. Wenn es keinen Gott gibt,
ist
alles erlaubt, meinte Dostojewski. Religion und Wissenschaft
müssen sich
versöhnen, Glaube und Vernunft. Wenn die Menschheit dem Wahn
verfiele, dass sie
mit Naturwissenschaft und Technik den Menschen glücklich macht,
dann verliert
sie jede Humanität. Beim Glauben um Gott geht es um unsere Kultur.
Das macht
Kissler in seinem Buch klar. Aber er braucht anspruchsvolle Leser, die
ich ihm
auch wünsche.
Titel: Der große
Selbstbetrug, wie wir um unsere Zukunft gebracht werden
Von: Kai Diekmann
Verlag: Piper
Es gibt viel zu klagen
über Deutschland und uns Deutsche: wir wählen
die falschen Politiker, wir lassen uns von ihnen an der Nase
herumführen,
wir diskutieren die falschen Themen, wir zerstören die Familien,
die
Renten, die Pädagogik, wir meinen es gut und sind unrealistisch.
Und schließlich: wir jammern zu viel über uns selbst, obwohl
es uns
doch eigentlich viel besser geht als den meisten anderen Völkern.
Eine Zusammenstellung falscher deutscher Entscheidungen, Haltungen und
Gedanken
hat geistvoll und spritzig Kai Diekmann zusammengestellt in seinem Buch
„Der
große Selbstbetrug – wie wir um unsere Zukunft gebracht werden“.
Es
ist eine große Abrechnung mit denen, die im Allgemeinen die
„68-er“
genannt werden. Seit 40 Jahren also geht es nach Diekmann in vielem
bergab.
Ein lesenswerter Blick in den Spiegel. Freilich sieht manch einer, der
sich
im Spiegel betrachtet, nicht, dass er objektiv wesentlich schöner
ist,
als er meint. Jedenfalls wären die meisten Völker der Welt
glücklich,
wenn sie nur die deutschen Probleme hätten. Daher meine Frage an
das
Buch: beweist es, dass wir nicht nur Exportweltmeister, sondern auch
die
Weltmeister im Jammern sind? Italiener jedenfalls wären
glücklich,
wenn sie deutsche Politiker hätten, Franzosen, wenn sie so gut mit
Ausländern
fertig würden wie diese Deutschen Afrikaner, wenn sie so kleine
Sorgen
hätten,. Wir machen vieles falsch, aber andere vielleicht noch
mehr. Vielleicht hilft das Buch zu erkennen, dass wir sehr
fröhlich sein können,
in Deutschland zu leben.
Titel:
Die Kunst der Stille und des Schweigens, 9.95 Euro
Titel:
Finde zu deiner Quelle, 12.95 Euro
Autor:
Anselm Grün
Verlag: Kreuz-Verlag
Ich möchte
Ihnen heute gleich zwei kleine Bildbändchen aus dem Kreuz-Verlag
vorstellen,
die sich trefflich als Geschenke eignen, z.B. bei Krankenbesuchen oder
Ähnlichem. Das erste enthält meditative Texte des bekannten
Benediktinerpaters
Anselm Grün. Er schreibt dazu:
„Ich möchte als
Mönch vor allem die Quellen christlicher Spiritualität
beschreiben, wie sie mir
das Mönchtum vermittelt hat. Es sind die Quellen, aus denen die
frühe Kirche
gelebt hat. Daher glaube ich, dass sie auch heute für uns eine
bleibende
Bedeutung haben. Natürlich können wir den spirituellen Weg
der frühen Mönche
oder der frühen Kirche nicht einfach kopieren. Aber die
Beschäftigung mit ihrem
Weg regt uns an, nach eigenen Quellen zu suchen.“ Wer sich auf die
Quellen des
Glaubens besinnen will, findet hier Hilfe. Unterstützung
erhält er dabei durch
die vorzüglichen Fotografien des Meisterfotografen Peter Friebe.
Das zweite
Büchlein ist ebenfalls von Peter Friebe bebildert. Es heißt
„Die Kunst der
Stille und des Schweigens“. Die Kurztexte in dem Bändchen stammen
von einigen
Vordenkern, christlichen und nicht christlichen. In allen aber geht es
um die
Bedeutung des Schweigens und der Stille für die Seele. Viele
seelische Krankheiten rühren ja daher,
dass die Menschen nicht zur Ruhe, zu sich selbst und zu ihrem Grund in
Gott
kommen.
Titel:
Der Primat des Bischofs von Rom, Entwicklung, Dogma, Ökumene
Autor:
Wolfgang Klausnitzer
Verlag: Verlag Herder,
rund 30.00 Euro
Die letzten Päpste
waren sich darüber
im Klaren, dass das Papsttum das größte Hindernis für
die Einheit der Christen
ist. Die katholische Kirche steht aber nicht nur aus praktischen,
sondern vor
allem aus Gründen der Lehre zu ihm. Wie aber hat sich das Papsttum
entwickelt?
Wusste Petrus, dass er Nachfolger haben würde, die eine Weltkirche
leiten und
unfehlbar sind?
Der Bamberger
Fundamentaltheologe
Wolfgang Klausnitzer trägt in einem 500-Seiten starken Band die
Geschichte des
Papsttums vor. Er setzt sich auch für Laien verständlich mit
allen kritischen
Fragen auseinander, zitiert Dokumente und Spezialstudien, erklärt,
verteidigt,
interpretiert. Gerade für Christen, die sich mit Primat und
Unfehlbarkeit
schwer tun, ist der Band eine Hilfe. Die komplizierte Entwicklung vom
Fischer
am See Genesareth über die einfachen Bischöfe von Rom zum
Primatanspruch über
die Fehlformen des Papolatrie wird lebendig. Wie kann man theologisch
verantworten, dass sich aus unscheinbaren Anfängen eine
dogmatische Lehre
entwickelt hat? Antwort auf unzählige Fragen gibt das Buch von
Wolfgang
Klausnitzer mit dem Titel „Der Primat des Bischofs von Rom“.
Titel: Mein
Leben
Autor: Carlo
Maria Martini
Verlag: Neue Stadt ,
10.90 Euro
Es
gibt berühmte Menschen, die alle kennen, und die dennoch unbekannt
sind. Diesen
Gedanken hatte ich, als die Kurzbiographie von Kardinal Carlo Maria
Martini
gelesen habe. Der berühmte Bibelkenner hat sich seinen Freunden
und Lesern
jetzt in einer kleinen Autobiographie selbst vorgestellt. Hier
erfährt man,
dass seine Liebe zu Bibel, Jerusalem, dem Heiligen Land schon in
frühster
Jugend begann, dass er den zweiten Weltkrieg mit Bomben erlebt hat,
dass er
spät erst Bergsteinen lernte, dass er ein besonderes
Verhältnis zu
Strafgefangenen pflegt und wie es dazu kam, dass er einen großen
Erfolg bei
jungen Menschen hatte. Selbst sein Wunsch, in der Kirche etwas zu
bewegen, hat
sich im Lauf der Jahre geändert: heute betet er nur für die
Kirche – und lebt
am liebsten in Jerusalem. Wäre er vor drei Jahren nicht schon sehr
krank
gewesen, so könnte er heute auf dem Stuhl Petri sitzen. Als man
damals auf ihn
zukam, winkte der Bibelkenner ab.
Titel:
Die Hoffnung stirbt nie, Lebensbild von F.X. Nguyen Van Thuan
Autor:
André Nguyen Van Chau
Verlag Neue Stadt, Preis
19.90
Die
Kraft der katholischen Kirche kommt in Zukunft aus Ostasien, aus China,
Vietnam, Korea und anderen Ländern. Ein Beispiel für diese
These ist das Leben
von Kardinal Nguyen Van Thuan. Er verbrachte 13 Jahre als politischer
Häftling
in kommunistischen Gefängnissen Vietnams. In Dunkelhaft
fürchtete er, den
Verstand zu verlieren. Irgendwann erkannte das Regime, dass der Mann
nicht zu
brechen war. Erstaunlich ist, dass man ihn nicht umgebracht hat. Er
selbst
würde sagen: Die Vorsehung hat ihn beschützt. Aus einer
bekannten
vietnamesischen Familie stammend haben ihn seine kirchlichen
Vorgesetzten rasch
als Genie erkannt. So bekam er sehr schnell allerhöchste
Verantwortung im Bischofsamt.
Das war sein Schicksal. Als man ihn nicht zerbrechen konnte, ließ
man ihn aus-
aber nicht mehr einreisen. So wurde er im Vatikan verantwortlich
für den
päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Weltweit
bekannt wurde er im
Jahr 2000 durch die Exerzitien im Vatikan, die anschließend unter
dem Titel
„Hoffnung, die uns trägt“ veröffentlicht wurden. Nun liegt
seine Biographie
vor, ein spannendes Buch.
Die Liebe bleibt. Das
Leben der Mutter Teresa
Von: Christian Feldmann
Verlag: Herder, 14.90 Euro
Auch wenn man
meint, Mutter Teresa schon zu kennen. Man lernt immer noch
dazu. Sie ist wie ein Brunnen, aus dem immer neues frisches Wasser
hervorsprudelt.
So ist es mir gegangen, als ich die Neuausgabe
von Christian Feldmanns Mutter-Teresa-Buch las.
Es bezieht die erst kürzlich veröffentlichten
persönlichen Aufzeichnungen der Friedensnobelpreisträgerin
ein.
Es macht mir deutlich: wer wirklich gottverbunden lebt, ist ein Wunder,
das
immer wieder in Staunen versetzt. Mutter Teresa strahlte ja
überall
Freude, Vertrauen, Dynamik und Liebe aus. Wer aber ihre geistlichen
Notizen liest, weiß, dass in ihrer Seele tiefe Finsternis
jahrelang tiefe Finsternis
war, dass sie Gott ganz verloren hatte. Sie lebte von purem,
nüchternstem Glauben, dass hinter allem Dunkel doch eben Gott war.
Davon merkte die Umwelt
nichts. Im Gegenteil Mutter Teresa war wie tausend
Zündhölzer,
ein Feuerwerk. Und wen jemand von ihr wissen wollte, welche große
Tat
er oder sie tun wollte, konnte sie sagen: geh in dein Kämmerlein
und
suche die Liebe Gottes. Sie entflammte Tausende, weil sie ihr Feuer an
Jesus
entzündete. Dies und vieles mehr liest sich wie ein Roman in der
neuen
Biographie
von Christian Feldmann. Auch wer meint, Mutter
Teresa längst zu kennen, wird eines besseren
belehrt. Sie ist ein unerschöpfliches Wunderwerk der Liebe Gottes.
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Worum es dem Papst geht,
kleiner Schlüssel zum Denken von Benedikt XVI.
Von John L. Allen
Verlag: Herder, 6.00 Euro
Wissen Sie, was Papst
Benedikt "umtreibt", was er in seinem Pontifikat erreichen,
bewegen möchte? Die antwort auf diese Fragen finden Sie in einem
kleinen Bändchen, das der bekannte us-amerikanische
Vatikanjournalist John L.
Allen geschrieben hat. Benedikt wollte nichts völlig Nues,
Umstürzendes,
Aufregendes, sondern er wolle - so schreibt Allen - in der Einleitung
Altbekanntes
neu aufpoliert in der Welt vorstellen: Wörtlich heißt es da:
"Benedikts
Kreativität liegt eher in seiner frischen Art, die Kernaussagen
der
christlichen Lehre verständlich zu machen. Benedikt ist ein Papst
für
das Wesentliche, und dieses Wesentliche wird auf intelligente und
provokative
Weise dargeboten". Und dann folgen zehn kurze Kapitel. Schon die
Überschriften
zeigen, dass es sich um Bekanntes in kurzer präzisier Form
handelt:
Gott ist die Liebe, jesus ist der Herr, Wahrheit und Freiheit sind zwei
Seiten
derselben Medaille, Glaube und Vernunft brauchen einander. So geht es
weiter.
Wenn man nun weiß, dass der Autor John Allen den ehemaligen
Kardinal
Ratzinger auch heftig kritisiert und vorausgesagt hat, er werde nie
Papst
werden, so wird diese präzise und schöne Zusammenfassung der
Anliegen von Papst Benedikt noch sympatischer. Es schreibt kein ewiger
Bewunderer
Benedikts, sondern einer, der vielleicht von Benedikt überzeugt
wurde.
Gott – Eine
kleine Geschichte des Größten
Von Manfred Lütz
Verlag
Pattloch, Preis 19.95
Gebildete Asiaten,
Afrikaner und Lateinamerikaner wundern sich vermutlich darüber,
dass man an der Existenz Gottes zweifeln kann. Sie wissen zwar
aus der Literatur, dass viele Europäer von sich behaupten, sie
glaubten
nicht an Gott. Gleichzeitig aber fragen sie sich wohl, wie kann man das
Selbstverständlichste und Grundlegendste des menschlichen Lebens
bezweifeln, nämlich dass
ein Gott über der Welt lebt, dass er ihr Schicksal in der Hand
hält und sie trägt. Nun ist die Frage nach Gott auch in
Europa wieder lebendig
geworden, die Spiegelbestsellerliste gibt Zeugnis davon. Manfred
Lütz,
der Psychiater und Theologe, ist nun in die Lücke gesprungen und
hat
eine – wie er schreibt – kleine Geschichte des Größten –
geschrieben.
Er versucht darin, sehr persönlich zu zeigen, warum es
vernünftig
und rational ist, an Gott zu glauben. Man liest zwar keinen stringenten
Beweis
wie ihn die katholische Scholastik früher geführt hätte,
aber
er zeigt zunächst, wie Glaube an Gott NICHT bewiesen werden kann, nämlich mit Psychologie.
Sein Weg führt
vielmehr im Wesentlichen über die menschliche Sensibilität
für
Gutes, Wahres, Schönes, über Kunst und Musik. Lütz
breitet
ein unglaubliches Wissen in diesen Bereichen aus. Er kennt sich vor
allem
bei Michelangelo, Raffael, Tintoretto und in der Gotik hervorragend
aus. Er
nennt auch Bespiele aus der klassischen Musik, durch die ein Hörer
einen Geschmack von Gott erhalten kann. Er setzt sich ausführlich
auseinander
mit Kant und Voltaire, mit Nietzsche und Feuerbach. Und natürlich
führt
er nicht nur zu einer rationalen Anerkennung Gottes, sondern auch zum
Gott
Jesu Christi – und zwar in der katholischen Kirche. Lütz
unterstreicht
oft seine Hochschätzung seriöser Atheisten und gläubiger
Protestanten,
aber lässt keinen Zweifel. Er ist katholisch und will die Menschen
vom
katholischen Glauben überzeugen. Das Buch ist spannend. Am Schluss
muss
der Leser selbst den Sprung wagen, eben an Gott zu glauben – oder er
kann
– wenigstens nach Lütz – darum beten, dass ihm dieser Sprung
gelingen
möge. Schon vor dem Glauben nämlich kann man anfangen, zu
Gott
zu beten. Das Buch ist ein intellektueller Leckerbissen. Auch Menschen,
die
schon behaupten, an Gott zu glauben, werden mit Vergnügen
erfahren,
warum ihr Glauben hilfreich und vernünftig ist.
Brief an einen jüdischen Freund
Von Sergio Romano
Verlag
Landtverlag, 29.90 Euro
Viele Europäer
wissen oft nicht so recht, wie sie sich gegen über
Israel verhalten und aussprechen sollen. Denn einerseits leiden die
Israelis
bis heute unter dem Holocaust und unter palästinensischen Raketen,
andererseits
scheinen sie sich gegenüber den Palästinenser nicht immer
korrekt zu verhalten. Israel gebraucht das Argument, dass alles was sie
tun, nicht
mit dem Holocaust verglichen werden kann. Als aufrechter Europäer
tut man sich schwer, ein gelassenes Verhältnis zu Israel
einzunehmen. Ich möchte Ihnen ein Buch vorstellen, das einen
Beitrag leistet, sich gegenüber
Israel auszusprechen. Sergio Romano ist ein italienischer Diplomat und
Journalist,
ein Freund Israels. Und genau deswegen kann er den Finger auf wunde
Punkte legen. Er meint, die Juden machten einen Fehler, wenn sie den
Holocaust nicht als geschichtliches Ereignis mit seinen Gründen
und Voraussetzungen sähen,
sondern als metahistorisches Ereignis. Dadurch gerade könne ein
neuer Antisemitismus entstehen. Vor allem dürfe das Argument
Holocaust nicht
für ganz verschiedene politische Zwecke gebraucht werden. Auch sei
es
eine Art von Rassismus, wenn man heutige Menschen so mit dem Naziterror
identifiziere,
dass man sie zu Schadenersatzzahlungen
verpflichte.
Sicher dürfe der Holocaust nie vergessen werde, aber man
dürfe
ihn nicht als übergeschichtliches Argument ins Spiel bringen.
Scharf
sei zu unterscheiden zwischen christlichem Antijudaismus und
Antisemitismus.
Heute gebrauchten linke Politiker den Vorwurf des Antisemitismus, um
ihre
eigenen politischen Ziele zu verwirklichen. Das Buch von Sergia Romano
ist
in Italien bereits vor 10 Jahren erschienen, jetzt auf Deutsch.
Menschen,
die sich mit den Problemen des Nahen Ostens befassen, die Gründe
für
seine Probleme verstehen und sich ein Urteil bilden müssen,
sollten
Sergio Romanos Buch „Brief an einen jüdischen Freund“ lesen. Es
hat
in Italien Zustimmung und heftige Kritik ausgelöst. Wichtig ist
auch
seine geschichtliche Einordnung des versuchten Mordes an Millionen von
Juden.
Nur wer versteht, kann wirklich helfen. Blinde Solidarität mit
Israel hilft dem Land nicht. Wer den Juden gut gesinnt ist, sollte sich
mit Sergio Romano auseinandersetzen. Es lohnt sich.
Wende dein Gesicht der Sonne
zu
Von Obiora Ike,
Verlag Pattloch,
Kosten 16.85 Euro
Afrika, das ist der
Kontinent des Elends, der Bruderkriege, der Aidskranken,
der Kontinent der Flüchtlingsdramen, der Kontinent derer, die
über
das Mittelmeer nach Europa wollen. Afrika ist Untergang. Man kann es
auch anders sehen. Dazu empfehle ich Ihnen das Buch des nigerianischen
Priesters Obiora Ike, der in Europa zwei Doktorarbeiten geschrieben hat
und jetzt Generalvikar
in seiner Diözese ist. In seinem leicht verschlingbaren Buch sagt
er
uns Deutschen, was wir auch heute von Afrika lernen können:
Familiensinn, Glauben an Gott, Optimismus, Gemeinschaftsgeist. Und er
bittet: Ihr Deutsche seid nicht so griesgrämig, denn ihr seid
gescheit und sehr fleißig,
sogar hilfsbereit und fröhlich, seit Weltmeister im Spenden. Wir
in Afrika
erwarten noch viel von Euch. Wir sollten von euch lernen, ihr aber
könnt auch von uns lernen. Obiora Ike zwingt den aufmerksamen
Leser, sein Afrikabild
zu ändern. Der Nigerianer hat den Biafrakrieg überlebt, er
weiß,
was Flucht, Flüchtlingslager und Not ist. Er betreut
Strafgefangene
in Nigeria, er weiß also, was Elend ist, er erlebte Vertreibung
von
Christen, damit der Islam Platz greift. Er ist kein Träumer, aber
er
folgt seinem Wahlspruch „Wende Dein Gesicht der Sonne zu“, dann
fällt
der Schatten hinter Dich. Und er kennt die Weisheit des Wortes: Gott
schenkte
den Europäern die Uhr, den Afrikanern schenkte er die Zeit. Wenn
Europa
Afrika als Nachbarn ansieht, muss es nicht nur wirtschaftlich helfen
und
afrikanischen Waren Chancen auf dem europäischen Markt geben.
Europa
darf Afrika auch nicht nur als Katastrophenkontinent sehen. Damit tut
man
ihm ebenso Unrecht wie mit ungerechten Handelsbeziehungen. Afrikaner
können
vor allem uns Deutsche lehren, wieder an uns selbst zu glauben. Wir
können
von Afrikanern lernen, was wirkliche Lebensfragen und Aufgaben sind.
Wir
Europäer hängen viel zu viel an Nebensächlichem. All
dies lehrt
Obiora Ike aus Nigeria.
Das Konklave
Die Papstwahl in
Geschichte und Gegenwart
Von Alberto Melloni
Verlag: Herder, Kosten
19.90
Irgendwann wird ein neuer
Papst gewählt, dann reisen Kardinäle
aus aller Welt nach Rom, um in der Sixtinischen Kapelle ihre Stimme
abzugeben.
Unter Fachleuten wird seit langem gerätselt, auf wen die
Purpurträger
zeigen werden. Warum aber dürfen gerade Kardinäle den Papst
wählen
und nicht etwa eine Bischofssynode oder gar ein Konzil? Wen dürfen
sie
wählen? Gibt es einen Wahlkampf? Kann man kandidieren? Muss der
Gewählte
Priester oder Bischof sein? Warum wählen sie in der Sixtinischen
Kapelle?
Reicht die einfache Mehrheit oder braucht es Zweidrittel? Haben nicht
früher
Klerus und Volk auch den Bischof von Rom gewählt? Fragen über
Fragen.
Wer Antworten sucht, schaffe sich das Bändchen „Das Konklave“ an.
Hier
findet man auch, wieviele Kardinäle derzeit aus Afrika, aus Asien,
aus
Amerika kommen, wie alt sie sind, welchen Richtungen sie
angehören.
Und vor allem: wie sich das alles im Lauf der Jahrhunderte entwickelt
hat.
Papstwahlgeschichte ist auch Kulturgeschichte.
Der deutsche Papst,
Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat
Von Alexander Kissler
Verlag Herder, 19.90 Euro
Das aufregendste Papst
Benedikt-Buch, das mir bisher in die Hände gefallen
ist, geschrieben von einem jungen Journalisten Alexander Kissler, der
sich in das Denken und in die Konflikte Ratzingers mit den Denkern und
Vordenkern in Deutschland gründlichst eingelesen hat. Zur Sprache
kommen darin nicht
nur die Befreiungstheologie und aufmüpfige Katholikentage,
Theologenkonflikte
und Kulturrevo-lutionen, neue Gemeindebildungen und Basisgemeinden. Der
Autor zeigt, woher Ratzingers Denken sich speist. Es geht immer wieder
zurück
auf Bonaventura und die Doktorarbeit der jungen Wunder-kindes. Schon
damals habe der junge Mann aus Marktl sich gegen falsche Endzeitutopien
gewehrt
– was sich dann fortsetzte in der Auseinandersetzung mit Marxisten und
Befreiungstheologen.
Hier nur ein paar Kapitelüberschriften als Häppchen „Ein Land
wird
Papst und die Nachbarn sind entsetzt“, „Die Basisgruppen und das
Zentralkomitee“,
„Joseph Ratzinger – der Kirchenkritiker“, „Ratzingers Aufstand gegen
die
Akademien“.
Wer sich mit der
oberflächliche Mäkelei an dem präzisen Theologen
nicht zufrieden gibt, der muss hineinbohren in das Denken des Papstes,
der
nach Aussage von Eugen Biser der theologisch gescheiteste seit Papst
Leo
dem Grossen ist. Der lebte vor 15OO Jahren. Auf dem Buchumschlag fragt
der
herausgebende Herder-Verlag „Kann dieses Pontifikat zu einem Neuanfang
führen
im schwierigen Verhältnis von Rom und Deutschland.“ Ich
möchte
es hoffen. Ich bitte vor allem alle Ratzinger-Kritiker sich intensiv
mit
dem Denken des Kritisierten auseinander zusetzen. Es wird dann
schwerer,
ihn weiterhin in eine Schublade zu stecken. Wir sollten einander aus
den
Schubladen befreien.
Alfred Delp, Leben gegen
den Strom
Von Christian Feldmann
Verlag: Herder, 14.90 Euro
Kann man noch Neues
über den Jesuiten-Martyrer Alfred Delp schreiben? Man kann. Der
bekannte Biograph Christian Feldmann hat zum 60.Jahrestag der
Hinrichtung von Alfred Delp durch die Nazis eine neue Biographie
über
den Querdenker geschrieben. Sie macht Freude. Auf rund 100 Seiten
zeichnet
er ein scharfes Bild des Mannes, der nicht nur gegen den
Nationalsozialismus
vordachte, sondern auch mit ins Feld ging, um die Menschen vor Hitler
und
seinen Schergen zu schützen. Menschen wie Alfred Delp dürfen
nicht
vergessen werden – vor allem angesichts einer Gedenkzeit, in der es
manchmal
scheint, als hätten alle Deutschen vor dem Nationalsozialismus
versagt.
Delp kam nicht aus einer Familie, die man landläufig als gut
katholisch
bezeichnen würde. Er machte auch keine übliche
Ordenskarriere,
denn schon mit 3o Jahren zeigte er sich nicht nur als Querdenker gegen
Hitler,
sondern auch innerhalb Kirche und Orden. Er machte es sich und seinen
vorgesetzten
Jesuiten nicht leicht. Sie beriefen ihn dennoch in den Denkpool der
Stimmen
der Zeit, wo es fast notwendig den Nazis unangenehm auffallen musste.
Delp
suchte aber keineswegs das Martyrium, im Gegenteil hoffte er wider alle
Hoffnung
trotz Folter im Gefängnis und grausamer Haft auf Befreiung. Aber
als
es dann unumgänglich war, ging er mit nur 38 Jahren gefasst an den
Galgen.
Gut, dass Christian Feldmann einen Beitrag leistet, damit Männer
wie
Delp nicht vergessen werden.
Frère Roger,
Gelebtes Vertrauen
Von Christian Feldmann
Herder-Verlag 12.90 Euro
Die ganze Welt kennt
Taizé und ihren kürzlich verstorbenen Gründer
Frère Roger Schutz. Aber kennen wir ihn wirklich? Auch ich habe
ihn erst ein Stück besser kennen gelernt, als ich die
Kurzbiographie über
ihn gelesen habe, die kurz nach seinem Tod erschienen ist. Sie stammt
von dem bekannten Schriftsteller Christian Feldmann. Es ist ein kleines
Bändchen
mit vielen farbigen Bildern, höchst lebendig und engagiert
geschrieben.
Es zeigt vor allem die spirituellen Quellen des Wunders von
Taizé.
Roger
ging es wirklich nur um die Nähe zu Christus. Aus ihr fließt
dann
der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Solidarität mit den Armen, nach
Kircheneinheit und nach der Versöhnung der ganzen Welt. Roger
ließ sich von Christus
anziehen, er überließ sich dem Locken des Geistes in seinem
Herzen
und der hat Wunder gewirkt – für die Gemeinschaft und für die
ganze
Welt.
Gottes Sanfter Rebell,
Joseph Kentenich und
seine Vision von einer neuen Welt
Von Christian Feldmann
Verlag: Patris-Verlag,
17.80 Euro
Die
Schönstatt-Bewegung ist nicht allen Katholiken geheuer. Sie wird
von machen als frömmelnd eingestuft. Wer sich nun ein sachliches
Bild über die riesige und wachsende Gemeinschaft machen will, kann
sich höchst spannend informieren über ihren großen und
manchmal kritisierten
Gründer, Pater Joseph Kentenich. Das Buch stammt nicht aus der
Feder
eines Schönstätters, sondern von einem kritischen Beobachter,
der
schon viele alte und neue Gottesmänner und Frauen portraitiert
hat,
Christian Feldmann. Er zeigt – wie es im Titel heißt – Kentenich
als
„sanften Rebellen“: fromm, unternehmungslustig, visionär,
dynamisch,
von kindlichem Optimismus geprägt. Er hatte unzählige
Widerstände
in der Kirche und seiner Umgebung zu überwinden, um seine Ideen zu
einer
Zeit durchzusetzen, die dafür noch nicht reif schien. Er ist
über
alle Hindernisse mit fast kindischem Eifer hinweg gesprungen, bis ihn
die Nazis dann im KZ-Dachau hatten. Dort zeigte er offenbar nicht nur
größte
Hilfsbereitschaft zu Häftlingen, denen es noch schlechter ging und
gleichzeitig einen Humor, der manchen Aufseher ärgerte. Nach dem
Krieg hatte die Glaubenskongregation
ein Auge auf ihn. Vielen Kritikern schien er sein Werk zu sehr auf sich
selbst zu konzentrieren. Ohne Murren ging er ins us-amerikanische Exil,
bis er nach
elf Jahren zurückgerufen wurde. In der Zwischenzeit war seine Saat
aufgegangen
und mehr als 25 Schönstattfamilien blühten. Sie blühen
bis heute. Feldmann zeichnet ein liebevolles Portrait, das man kennen
sollte,
wenn man sich mit Schönstatt auseinandersetzt.
Jesus für Zweifler, (Gütersloher
Verlagshaus)
Das Christentum, (Rowohlt-Verlag)
Von Christian
Nürnberger
Ich möchte Ihnen
heute zwei Bücher von Christian Nürnberger vorstellen. Der
eifrige Schreiber setzt sich in beiden mit dem christlichen
Glauben sehr persönlich auseinander. Das zeigt vor allem der Titel
des
ersten Buches: Er lautet „Jesus für Zweifler“. In dem sehr
autobiographischen
Buch spricht er davon, wie sehr er vom christlichen Glauben angezogen
ist,
aber dennoch nicht zu dem Glauben durchfindet, den er sucht. Aber
für
Glaubende und Zweifler zeigt Nürnberger in hervorragender Weise,
warum
das Christentum allen Zweifeln zu Trotz nötig ist. Er schreibt
ausdrücklich
„Es geht um jene bleibende Wahrheit des Christentums, die durch keine
wissenschaftliche
Untersuchung widerlegt werden kann.“ Wenn viele Kirchgänger sich
so
intensiv mit dem Glauben auseinandersetzen würden wie Christian
Nürnberger,
dann ginge es den Kirchen besser. Es ist gleichzeitig provozierend und
konstruktiv,
aufregend und erbauend. Ich wünsche das Buch in die Hände
vieler
Zweifler und noch mehr in die Hand derer, die von Kirche nur ein dummes
Klischee
haben.
Das zweite Buch von
Christian Nürnberger mit dem einfachen Titel „Das Christentum, was
man wirklich wissen muss“ ist ein Musterbeispiel dafür,
wie man in normaler Sprache das vermitteln kann, was wir Fachleute
leider
oft verstecken. Manches in dem Buch mag Historiker stören,
Theologen
werden auch Häresien finden, aber man spürt die Liebe des
Autors
zur Sache des Christentums. Und jeder Gebildete kennt den Schatz des
Christentums,
weiß aber auch, dass die Kirchen das eigentlich Christliche
manchmal
verbergen. Ich wünsche mir, dass Kirchenkritiker ähnlich wie
Nürnberger
den Schatz entdecken, den die Kirchen vermitteln. Ich wünsche,
dass
alle, die an Europa mitbauen, das Christentum ernst nehmen. Denn ohne
den
christlichen Glauben gäbe es nicht das Paradies, in dem die
Europäer
seit 60 Jahren leben. Nürnberger nennt sein erstes Kapitel
nämlich
„Wir armen Glückskinder“, weil wir mit dem Christentum und im
Frieden leben – und es gar nicht merken.
Das Buch der Deutschen,
Alles, was man kennen muss
Hg. Johannes Thiele,
Lübbe-Verlag, 29 Euro
Ich möchte Ihnen
heute ein Buch vorstellen, das einen Beitrag dazu leisten
kann, das Europa der Zukunft zu bauen. Dieses Europa leidet unter
anderem
an der mangelnden Selbstsicherheit von uns Deutschen. Wir tun uns
schwer,
zu uns selbst zu stehen – nicht erst seit Hitler. Wenn wir Deutsche
unsere
Kultur kennen würden, gewännen wir Selbstsicherheit. Ich
stelle ihnen kurz ein Buch vor, das einen wesentlichen Beitrag leisten
kann, unsere Kultur zu kennen. Es enthält nämlich Literatur,
rechtliche und
politische Texte aus fast 2 Jahrtausenden. Los geht’s mit dem Text von
Tacitus
über Germania, es folgt die Schlacht am Teutoburger Wald, ein
Gedicht
aus der Edda, das Hildebrandlied, das Testament Karls des Großen,
der
Schwur von Canossa, das Wormser Konkordat, das Nibelungenlied usw.,
usw.
Weitere Höhepunkte sind Luthers Thesen gegen den Ablass und die
Freiheit
des Christenmenschen, Hans Sachs Meistersinger, der Augsburger
Religionsfriede,
Grimmelshausen Simplizissimus, der Text des Westfälischen
Friedensschlusses, Angelus Silesius Wandersmann. Immer mehr in der
Neuzeit kommt Literatur und
Geschichte: nur ein paar Stichworte: Lessings Ringparabel, Claudius
Abendlied,
Kant über die Aufklärung, Goethe junger Werther, Schillers
Räuber
und Glocke. Weitere Namen: Novalis, Novalis, Hölderlin, Kleist.
Aber
auch Brecht, Döblin, Eichendorf, Borchert, Böll, Mann. Und
große
politische Texte: Hitlers Ermächtigungsgesetz, die Barmer
Erklärung
der bekennenden Kirche, der Nichtangriffspakt, die Weiße Rose,
Bonhoeffer
bis zur Rede von Richard von Weizsäcker 40 Jahre nach dem
Kriegsende.
Alles, was ein gebildeter Deutscher wissen sollte, was ihm Grund gibt
zu
einer sicheren Selbstwahrnehmung in Freude, Stolz und Trauer. Dies Buch
sollte
mindestens jedem Abiturienten geschenkt werden.
Johannes Paul II. Pilger
der Hoffnung,
Von Christian Feldmann,
Herder-Verlag rund 13.00 Euro
Benedikt XVI. Der Papst
aus Deutschland,
Von Helmut Ruppert,
Echter-Verlag, 10.00 Euro.
Der deutsche Papst,
Hg. von Peter Seewald, Weltbild rund 10.00 Euro.
Ich möchte Ihnen
drei Buch-Schnellschüsse vorstellen, die um den alten und den
neuen Papst entstanden sind. Das erste ist eine Biographie
von Johannes Paul II. direkt nach seinem Tod geschrieben – von dem
bekannten
Biographen Christian Feldmann. Der reich bebildete Band stellt in 10
Kapiteln
das Leben eines außergewöhnlichen Menschen vor. Das zeigen
schon
die Kostproben von einigen Überschriften. Karol und Johannes Paul
Superstar,
der Kämpfer, der Mauerbrecher, der Pazifist, der Mystiker. Das
letzte
Kapitel heißt Öffentliches Martyrium. Sehr zu empfehlen,
wenn
man das ungewöhnliche Leben noch mal Revue passieren lassen will.
Das zweite Buch ist eine
Biographie von Papst Benedikt aus der Feder des scheidenden
Chefredakteurs der Katholischen Nachrichtenagentur, Helmut Ruppert.
Genauer
genommen ist es eine Dokumentation des Übergangs von einem Papst
zum anderen. In herrlichen Farbaufnahmen und prägnanten Texten
werden die bewegenden Stunden noch einmal in Erinnerung gerufen. Der
Leser und Betrachter kann noch mal zurückgehen zu den aufregenden
Szenen vor und bei der
Beerdigung des Papstes, beim Konklave mit
dem weißen Rauch, der Verkündigung des „Josefum“, bei der
Amtseinführungsmesse.
Ein Bändchen gegen das Vergessen.
Das dritte Buch ist ganz
aufs Schauen eingestellt. Es heißt „Der deutsche
Papst“, herausgegeben von Peter Seewald. Unzählige Bilder zeigen
Ratzinger
als Jungen und Studenten, als Professor und Gelehrten, als
Bischof und Kardinal und schließlich als Benedikt.
Man
taucht ein in eine lange Karriere, die früh begann und an
höchster
Stelle endet. Man hat sich bemüht, in allen Fotosammlungen das
Beste zu fischen. Ein guter Fischfang mit vielen Texten vertieft. Neben
dem Herausgeber
Peter Seewald schreiben der Hamburger Weihbischof Jaschke und der
Münchner
Pastoraltheologe Elmar Gruber. Vor allem aber eine Fundgrube an Fotos.
Minimum
Von Frank Schirrmacher
Verlag: Karl Blessing
Familie hat Zukunft,
Familie ist der beste Lebensschutz in Gefahren, Familie
schafft Seelenheimat. So kann man die Thesen von Franz Schirrmacher
zusammenfassen,
die er in seinem neuen Buch „Minimum“ beweist. Freilich zeigt er auch
ganz
deutlich, dass die traditionelle Familie in Europa kaum eine Chance
hat.
In Zukunft gewinnen Frauen an Bedeutung, weil sie beruflich tätig
sind,
mehr soziale Kompetenz haben und für den Nachwuchs sorgen.
Freilich
muss eine junge Frau in Zukunft nicht nur für ihre Kinder sorgen,
sondern
auch für ihre Mutter und Großmutter. Großmütter
übernehmen
im Gegenzug eine noch wichtige Funktion in der Pädagogik. Kinder
freilich
haben weder Geschwister, noch Vettern und Cousinen. Sie sind die
wenigen Säulen
der Gesellschaft tragen ein großes Dach. Schirrmacher rechnet ab
mit einigen Ideologien: z. B. dass die Geschlechter nicht durch ihre
Geburt, sondern
durch die Kultur geprägt werden. Er trägt dafür die
Ergebnisse von unzähligen Studien zusammen. Ausgangspunkt für
Schirrmachers
Thesen sind Studien über zwei Katastrophen, bei denen sich zeigte,
dass
die Familie im Krisenfall der beste Lebensschutz ist. Singles haben die
geringste
Überlebenschance. Ein aufregend gutes Buch. Es hilft simple
Gemeinplätze
zu widerlegen.
Preußen am
Tarpejischen Felsen,
Die Geschichte des
deutschen Kapitols in Rom 1817- 1918
Von Golo Maurer
„Preußen am
Tarpejischen Felsen“ heißt ein mächtiger Band, den ich Ihnen
kurz vorstellen möchte. Es ist die Geschichte der Botschaft
Berlins in Rom von 1817 bis zum Ende des ersten Weltkrieges. Was heute
nur wenige wissen: diese Botschaft stand auf dem Kapitolhügel, was
ihre
Chance und ihr Verderben war. 100 Jahre war sie also nicht
diplomatischer,
sondern auch kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt des
deutschen
Lebens in Rom. Die bedeutendsten Wissenschaftler, Künstler und
Politiker
aus dem sich bildenden Deutschland sind hier aus und eingegangen. Und
sie
haben ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude hieß Palazzo
Cafarelli.
Von hier oben schauten sie auf den Stadt hinunter und über die
Dächer
bis hinüber zum Vatikan. Aber es war auch für Preußen
nicht
so einfach, das Kapitol zu erobern. Es dauerte lange bis aus dem
Mietsvertrag
ein Kaufvertrag wurde. Das Kapitol ist eben das Kapitol. In dem
Gebäude
war schließlich auch die evangelische Kirche, das einzige
Gotteshaus
für die vielen Kunst liebenden Protestanten in Rom, denen damals
auch
eine Gebetsraum noch sehr wichtig war. Es kam aber wie es kommen
musste, als
Italien am Ende des ersten Weltkrieges zu den Siegermächten
gehörte,
war dem jungen Staat die preussische Botschaft im Herzen der ewigen
Stadt auf dem Kapitolhügel einfach zu viel. Die Preußen
mussten gehen.
Nun aber hat der Historiker Golo Maurer eine umfassende Geschichte
dieses
Gebäudes am so genannten Tarpejischen Felsens geschrieben. Man
erfährt
dabei ungemein viel über die diplomatischen Beziehungen, über
Adel,
Kunst, Kultur, Wissenschaft. 200 Seiten Text, 40 Seiten Dokumente und
Literaturangaben
und dann 80 Seiten Fotos. Es ist ganzes Archiv – und auch für
Laien
gut zu lesen.
Der Indische Joseph,
Erinnerungen aus meinem Leben
Von Josef Neuner SJ
Verlag die Quelle,
Feldkirch
Nichtchristliche
Religionen sind die Feinde, die man bekämpfen muss.
Mit dieser Überzeugung waren christliche Missionare ums Jahr 1950
in
Indien unterwegs. Zu ihnen stieß der junge vorarlberger Theologe
und Jesuit Josef Neuner. Ihm gelang, was gar nicht so leicht war: er
kam zu der Überzeugung, dass der Hinduismus und Islam nicht zu
bekämpfen sind,
sondern dass man mit ihren Anhängern einen guten Dialog
führen
muss. Wer den Lebensweg des heute 95-jährigen erleben will, kann
dies
jetzt anhand seiner Autobiographie. Neuner war 1926 mit 18 Jahren in
den
Jesuitenorden eingetreten, hatte die normalen Studien gemacht und wurde
mit
30 Jahren als junger Priester nach Indien geschickt. Sieben Jahr
verbrachte
er in englischen Internierungslagern und lernte dabei zu seiner
Theologie
auch noch das Denken und die Kultur Indiens kennen. Er kam zu einer
tiefen
Hochachtung, die ihn aber nicht zur Aufgabe seiner Missionswillens
verleitete,
sondern diesen läuterte. So ist er heute in ganz Indien bei
Christen,
aber auch bei unzähligen Hindus und Muslimen als weiser Zeuge Jesu
Christi
hochgeschätzt. Seinen Dialog-Impuls konnte er als
Konzilsteilnehmer
vertiefen und ausweiten. Er kannte Mutter Theresa und wurde beauftragt,
zu
ihrer Seligsprechung ihre Schriften auf ihren theologischen Gehalt zu
prüfen.
Sein Lebenswerk ist aber wohl die Entdeckung einer neuen Form von
Mission,
nicht mehr Kampf, sondern Zeugnis.
Unterwegs zu Jesus
Christus
Von Joseph Kardinal
Ratzinger
Sankt-Ulrich-Verlag 16.90
Euro
Es ist kaum zu glauben,
wie viel immer wieder aus der Feder von Kardinal
Joseph Ratzinger fließt. Kürzlich ist ein Buch mit neueren
Betrachtungen,
Reflexionen und Vorträgen erschienen. Der Kardinal hat sie unter
dem
Titel „Unterwegs zu Jesus Christus“ jetzt im Sankt-Ulrich-Verlag
herausgegeben.
In einem Beitrag setzt er sich mit der Kritik an der vatikanischen
Erklärung
„Dominus Jesus“ auseinander, in einem weiteren mit der Kritik am
Weltkatechismus
zehn Jahre nach dessen Erscheinen. Eine ausführliche Betrachtung
stellt
er an über die Versuchungen Jesu in der Wüste und dann
spricht
er über „Universalität und Katholizität“. Anlass
dafür
war der 80.Geburtstag des afrikanischen Kardinals Gantin. Es handelt
sich
um Veröffentlichungen von verschiedenen Anlässen. Hervorheben
möchte
ich auch, wie Ratzinger sich immer wieder auch mit den Ergebnissen der
modernen
Exegese auseinandersetzt und deren Ergebnisse aus eigener Sicht
kommentiert.
Wer nicht mit Klischees über den Präfekten der
Glaubenskongregation
zufrieden ist, der liest das neue Ratzingerbuch mit Gewinne.
Mutter Teresa, Komm, sei
mein Licht
Hg. Brian Kolodiejchuk
,
Verlag: Pattloch 19.95
Euro
Vor ein paar Wochen ging
die Meldung um die Welt, Mutter Teresa habe auch
Glaubenszweifel gehabt, oft habe sie nicht mehr glauben können,
was
ihr früher einmal völlig klar gewesen sei. Quelle dieser
Meldungen waren ihre geistlichen Aufzeichnungen, die jetzt unter dem
Titel „Komm, sei mein Licht – die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen
von Kalkutta“ erschienen sind. Tatsächlich erlebte die
Gründerin der Missionarinnen der
Nächstenliebe jahrelang ein geistliches Dunkel schlimmster Art,
wie
es auch andere Heilige erlebten. Bevor sie ihre neue Gemeinschaft
gründete,
hatte sie Gott und seinen Ruf so lebendig erfahren, dass nicht anders
konnte
als dem Ruf zu folgen. Dann aber war plötzlich alles weg,
ausgelöscht.
Sie klagt über das Dunkel, über Gottferne, über die
Nacht,
in der sie lebt, und sie schreibt davon mehreren geistlichen
Begleitern.
Nicht dass sie ihren Einsatz für Gott und die Menschen auch nur
ein
wenig zurückgenommen hätte, nein sie intensiviert ihn und
schreit nach Gott. Er aber scheint nicht zu hören, scheint aus
ihrem Leben verschwunden zu sein. Dabei spricht sie oft zu ihren
Missionarinnen der Nächstenliebe
von der Liebe Gottes, von seiner Zuwendung. Aber es ist reinster
Glaube, kein Fünkchen spürbare Erfahrung. Selbst als sie den
Friedennobelpreis
erhält, lebt sie in tiefster Nacht. Sie nennt ihre Gründung
ausdrücklich nicht i h r e Gründung, sondern das Werk Gottes. Sie
ist nur Werkzeug in seiner Hand. In dem Buch,
das einer ihrer Mitarbeiter und spätere Postulator für ihre
Seligsprechung,
Brian Kolodiejchuk herausgegeben hat,
erfährt
man nur wenig über das äußere Leben der Seligen,
über
ihre Gründungen, Reisen, Ehrungen. Etwas mehr davon hätte ich
mir gewünscht. Das Buch kann Menschen ermutigen, die meinen
Heilige seien
völlig andere Menschen. Nein, Heilige leiden unter den gleichen
oder schlimmeren Erfahrungen wie andere Getaufte und Ungetaufte. Ein
ermutigendes
Buch – gerade auch für Zweifler.
Das Volk ist ein Trost
Zeugnisse von
jüdischen Deutschen zwischen 1933 und 1945.
Von Konrad Löw,
Olzog Verlag
Auch wenn im deutschen
Namen Millionen von Juden ermordet haben, so ist es dennoch völlig
falsch, von Kollektivschuld, Tätervolk, das sich
von seinem Führer nie distanziert hat und von speziell deutschem
Antisemitismus
zu sprechen. Daher sind entsprechende Aussagen von Daniel Goldhagen,
Ralph
Giordano und anderen entweder Irrtum oder Tendenzaussagen.
Das geht aus einer ganz
neuen Veröffentlichung hervor. In ihr kommen
Dutzende von Juden zu Wort, die über ihre positiven und negativen
Erfahrungen
zwischen 1933 und 1945 in Deutschland berichten. Viele von ihnen
erzählen
vom todesmutigen Einsatz von Nichtjuden zugunsten der Verfolgten.
Vielleicht
haben Hunderttausende arische Deutsche Nicht-Ariern geholfen und das
Leben
gerettet. Professor Konrad Löw hat sich der unglaublichen
Mühe unterzogen,
unzählige Tagebücher, Briefe, Notizen von Juden zu studieren,
in denen von den mutigen Taten ihrer Retter berichtet wird. Dass die
Juden in Deutschland vor Hitler besser integriert waren als in vielen
anderen Ländern, davon weiß jeder Historiker. Von
verbreitetem Antisemitismus im dritten
Reich kann auch keine Rede sein: Denn die Parteiführung klagte
wiederholt
darüber, dass das Volk in seiner Breite zu seinen jüdischen
Nachbarn
stand. Sicher gab es SA und SS und die Partei. Aber Hunderttausende
halfen
Juden unter Lebensgefahr. Das wird dokumentiert. Im Deutschland des
Jahrtausendwende
aber zeigte sich im Triumpfzug von Goldhagen ein deutlicher
Pisa-Schaden. Löw weist bei ihm und einigen anderen nach, dass sie
unseriös und tendenziös arbeiten und die Geschichte
verdrehen. Der in Paris lebende
bekannte deutsche Jude, Alfred Grosser schreibt Löw ein
großes
Lob. Er habe immer schon gewusst, dass es Unsinn sei von
Kollektivschuld
zu sprechen, durch die neue Dokumentation sei er erneut davon
überzeugt
worden. Durch die Dokumentation werden die Verbrechen an den Juden
nicht
geleugnet. Sie werden sogar bestätigt, aber es werden die
Klischees
beseitigt, das ganze Volk hätte vom Judenmord gewusst und ihn
mitgetragen.
Die meisten Juden und Nichtjuden wussten nichts
vom Ausrottungsplan. Jeder Deutsche aber wusste: wenn ich einem Juden
helfe,
riskiere ich den Tod. Daher versuchte das Regime auch, alle
Maßnahmen
gegen Juden zu verbergen. Das breite Volk hat die Judenvernichtung
nicht
mitgetragen, sondern aus Angst weggeschaut oder mit Angst geholfen.
<
Weltmacht Vatikan,
Päpste machen Politik
Von Ludwig Ring-Eifel
Haben die Päpste der
letzten 100 Jahren die Politik Europas und der
Welt mitbestimmt? Oder sind die unzähligen Aufrufe zu Frieden und
Gerechtigkeit
nur Zeichen des guten Willens? Wird die Bemühung von Papst
Johannes
Paul II. und seiner Diplomaten überschätzt, den Ostblock zu
stürzen,
das Nahostproblem zu lösen und Europa aufzubauen? Antwort auf
diese
Fragen gibt ein Buch, das soeben erschienen ist. Es heißt
„Weltmacht
Vatikan – Päpste machen Politik“, und stammt aus der Feder des
deutschen
Journalisten Ludwig Ring-Eifel. Vor rund 120 Jahren schien das Papsttum
am
Ende seiner Macht und Herrlichkeit, heute haben 170 Staaten
diplomatische
Beziehungen zum Vatikan, denn sein Einfluss ist nicht zu
unterschätzen.
Nicht einmal die USA können es sich leisten, über
päpstliche Kritik lächelnd hinwegzugehen. Wie kam es, dass
ein Staat, der sein
ganzes Territorium verlor, dennoch Macht und Einfluss gewann? Ludwig
Ring-Eifel zeichnet den geschichtlichen Weg der letzten 120 Jahre, aber
auch Ziele, Methoden
und Instrumente, mit denen die Päpste von Pius XI. bis Johannes
Paul II. den Weg der Welt beeinflusst haben. Gerade wegen ihrer
politischen Ohnmacht haben die Kirchenoberhäupter Autorität
gewonnen. Es kam dabei sowohl
auf die diplomatische Tradition des Vatikans an wie auch auf den Mut
und
das Geschick des jeweiligen Papstes. Fazit: Das Papsttum kann den Lauf
der Geschichte nicht einfach ändern, aber es kann Bewegungen, die
sich anbahnen beschleunigen, verlangsamen oder auch leicht abbiegen.
Wer am Weltgeschehen verzweifeln möchte, schöpft bei der
Lektüre des Buches Hoffnung. Auch moralische Argumente und
Sympathien sind nicht ohnmächtig.
Wer die jüngste
Geschichte aus kirchlicher Sicht nicht vergessen und
den Beitrag der Päpste kennen lernen will, liest mit
größtem Nutzen Weltmacht Vatikan.
Jesus von Nazareth
Von Joseph Ratzinger -
Benedikt XVI
Verlag: Herder
Das Jesus-Buch von Joseph
Ratzinger, alias Papst Benedikt, ist ein wissenschaftlich
begründetes Glaubensbekenntnis. Es ist seine fachtheologische
Annäherung
an den Herrn der Kirche. Es handelt sich um die sehr anspruchsvolle
Studie
eine Theologieprofessors, der mit den Methoden der katholischen
Theologie zeigen will, wer Jesus von Nazareth war, was er lehrte und
warum man ihn
als Sohn und Offenbarer Gottes bekennen kann.
Ratzinger-Benedikt setzt
sich mit vielen Kollegen auseinander und zeigt,
warum man auch in einer aufgeklärten Welt zu historisch sicheren
Aussagen
über den Mann aus Nazareth kommen kann.
Seine besondere These: Wer glaubend anerkennen kann, dass Jesus nicht
nur
ein interessanter Mensch, sondern Gottes Sohn war, der versteht vieles
in den Evangelien, was sich sonst nur schwer erklärt.
Trotz allem, was man an erbaulicher Glaubenshilfe in dem Band findet,
sind
doch viele Passagen für Nicht-Theologen hartes Brot. Der Theologe
aber sieht, dass Kollege Ratzinger die gesamt katholische und
evangelische Fachliteratur verarbeitet hat. Hier die bezeichnenden
Kapitelüberschriften: Taufe
und Versuchungen Jesu, Reich Gottes, Bergpredigt, Gebet des Herrn,
Jünger, Gleichnisse, johanneische Bilder, Petrusbekenntnis,
Verklärung und Selbstaussagen
Jesu.
Ratzinger-Benedikt wehrt
sich gegen die verbreitete Auffassung, man komme
wissenschaftlich nur zu einem schemenhaften historischen Jesus. Er
möchte
beweisen: man kommt durch die Evangelien auch zum Christus des Glaubens.
Ich möchte
Nicht-Theologen aber nicht entmutigen, das Buch zu lesen. Sie sollten
vielleicht mit dem Kapitel über das Vaterunser anfangen,
dann die Versuchungen und die Gleichnisse Jesu lesen. Mich bewegt es,
wenn
der Autor vom biblischen Text zu heutigen Fragen und Problemen
durchstößt,
so etwa zur Not in Afrika, zum heutigen Atheismus, zur verbreiteten
Ansicht,
Menschen lebten ohne Gott ebenso wie Gläubige.
Ein wichtiges Buch, das
gerade auch Nachdenkliche und Sucher aufmerksam lesen sollten.
Die Himmelsstürmerin, Chinas Staatsfeindin Nr.1.
Autorin Rebiya Kadeer,
Alexandra Cavelius
Verlag Heyne
Noch vor der Olympiade in
Peking sollten Sie bitte das Buch „Die Himmelsstürmerin“
von Rebiya Kadeer lesen. Darin
erzählt Chinas
Staatsfeindin Nr.1 – wie sie im Titel heißt - ihr Leben. Das Buch
hat
mich aufgewühlt. Die heute fast 60-jährige Uigurin und Mutter
von
elf Kindern hat sich von der Wäscherin zur Multimillionärin
heraufgearbeitet,
hat das Regime in Peking scharf kritisiert, saß fünf Jahre
im Gefängnis
und wurde dann in die USA ausgewiesen. Neben den Tibetern, die von
Peking
brutal unterdrückt werden, gibt es im Westen Chinas das uralte
Volk
der rund 10 Millionen Uiguren, dem Rebiya Kadeer angehört. Sie
hatte schon in jungen Jahren auf ihre Fahnen geschrieben, ihr Volk von
der chinesischen Überfremdung und Unterdrückung zu befreien.
Es geht der gläubigen
Muslimen um die religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen
Grundrechte
ihrer Landsleute in Xinjiang, dem ehemaligen Ostturkestan. Sie findet
ständig
neue Wege, um wirtschaftliche Nischen auszunützen und wird die
große Geschäftsfrau, gründet mehrere Warenhäuser,
steht im Tuch-,
Holz-, Eisenhandel. Macht Geschäfte in Shanghai
und Peking, sowie in den zentralasiatischen Republiken. Das Regime in
Peking
beruft sie daher in die Nationalversammlung und versucht so, sie
gefügig
zu machen. Nachdem dies nicht gelingt, wird sie zu acht Jahren
Gefängnis
verurteilt. Hier erlebt sie schlimmste Brutalität, wird selbst in
Einzel-
und Dunkelhaft psychisch gefoltert und schließlich auf Druck von
Amnesty
International und human rights watch in die USA geschickt. Fünf
ihrer
Kinder bleiben in China und werden jetzt wegen des Kampfes ihrer Mutter
für
die Uiguren verfolgt. Der deutschen Journalistin Alexandra Cavelius hat
Rebiya
Kadeer jetzt ihr Leben für eine Biographie erzählt. Die
große
Freiheitskämpferin wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis
vorgeschlagen.
Da viele Europäer voll Bewunderung auf das Reich der Mitte schauen
und
da wir von der Olympiade wie zu Hitlers Zeiten geblendet werden,
sollten
wir dieses Buch lesen und würdigen. Millionen unterdrückter
und
gefolterter Bürger Chinas haben es verdient, von uns beachtet zu
werden.
Die Geschichte der
Jesuiten
Von Rita Haub
,
Verlag Primus, 29.90 Euro
Das Wort „Jesuiten“ hat
einen eigenartigen Reiz. Es ist, wie wenn man etwas halb verbotene
Frucht hinlangte. So kann die soeben erschienene „Geschichte der
Jesuiten“ mit einem Vorinteresse rechnen. Die Autorin Rita Haub
versteht
es, für Nichtfachleute den Staub der Vergangenheit wegzukratzen
und unzählige Details zu erzählen, die die Geschichte ganz
lebendig machen. Sie erzählt
die Geschichte an Hand der herausragendsten Persönlichkeiten und
konzentriert
sich auf ein deutschsprachiges Publikum. So liest man Kurzbiographien
der Gründer Ignatius von Loyola und Franz Xaver, der Pioniere in
Indien,
China, Brasilien und Bolivien mit klingenden wie Matteo Ricci und Adam
Schall
von Bell, der Martyrer vor allem des 20. Jahrhunderts mit Rupert Mayer
und
Alfred Delp. Man erfährt gründlich, warum die Jesuiten
barocken
Königen verhasst waren und dann verboten wurden, wie sie durch
Protestanten
und Orthodoxe überlebten, warum Bismarck, manche Schweizer und
später
viele Diktatoren in Lateinamerika sie hassten. Man erfährt von
kritischer
Papsttreue. Im Anhang gibt es hervorragende Überblicke über
Geschichte,
Literatur, die zahlenmäßige Entwicklung und die
Generaloberen.
Im Januar 2008 wählt
die Gesellschaft Jesu einen neuen Generaloberen.
Wer dieses historische Faktum besser verstehen und einordnen will,
liest
mit Gewinn die „Geschichte der Jesuiten“ von Rita Haub.
Die Jahre der Vernichtung,
Das Dritte Reich und die
Juden 1939 – 1945
Von Saul Friedländer
C.H.Beck-Vg - 34.90 Euro
Ich möchte Ihnen
heute gleich zwei Bücher vorstellen, die in gewissem
Gegensatz stehen: Der Jude Saul Friedländer diagnostiziert, dass
Hitlers
Hass gegen Juden seine die tiefste Motivation gewesen war. Der Christ
Konrad
Löw urteilt: unzählig viele Juden bezeugen ihre Rettung durch
mutige Christen. Gemeinsam ist beiden Büchern: Hitler musste die
Judenverfolgung
nicht nur vor dem Ausland, sondern auch vor den Deutschen
möglichst verbergen.
Auch wenn Antisemitismus wuchs, so war er doch keineswegs allgemein
verbreitet. Freilich konstatiert Friedländer: die besetzten
Staaten haben bei der Judenauslieferung weitgehend mitgemacht. Seine
Quellen sind vor allem Tagebuchaufzeichnungen,
Briefe, Notizen von Verfolgten. Er wählt die Opferperspektive,
obwohl
er auch die Täter ausführlich zitiert. Seine Hauptthese:
Hitler
vermutete hinter Kommunismus und Kapitalismus die Juden. Er sprach
immer
wieder wage vom Kampf gegen den „Erbfeind der Menschheit“. So konnte er
Angst
schüren und Menschen mobilisieren. Papst Pius XII. beurteilt er
maßvoll.
Geschwiegen habe Pius vor allem, weil Hitler ein Bollwerk gegen die
mehr
gefürchteten Bolschewisten war, weil er umgekehrt Juden durch
seinen Protest nicht gefährden wollte.
Noch eine Runde auf dem
Karussell, Vom Leben und Sterben
Von Tiziano Terzani
Verlag Hoffmann und Campe
Ein moderner Mensch auf
der Suche nach dem Sinn seines Lebens, nach dem Sinn
von Leben und Sterben, von Krankheit und Gesundheit. Eine wahre Odyssee
durch
halb Asien und Amerika. Das ist die Geschichte des italienischen
Journalisten
Tiziano Terzani ab dem Tag, als er hörte, dass er Krebs hat. Nach
schweren
Operationen, nach Bestrahlung und Chemotherapie in New York sucht der
studierte
China-Fachmann Heilung in Indien, Thailand, Hongkong, auf den
Philippinen
und schließlich auf dem Himalaya. Weil die – wie er schreibt –
„Instandsetzer“
in den USA sich nur um seinen Körper, nicht aber um seine Person
und
seine Seele kümmern, sucht er Hilfe bei der traditionellen Medizin
Asiens,
kommt indischen Weisen und auch zu Wunderheilern und Zauberern, lebt in
hinduistischen
Ashrams. Im Lauf seiner jahrelangen Wanderschaft wird ihm immer
deutlicher,
worum es eigentlich geht: nicht um einen gesunden Körper, sondern
um
eine neue Lebenseinstellung. Es geht vor allem darum, dass nicht nur
über
das Funktionieren des Körpers und die
Gesundheit
gesprochen wird, sondern auch über das Sterben. Es geht um
Gleichmut,
um Annahme, um ein Ja zu Tod und Leben. Einmal meint er: Wie Hebammen
ins
Leben, so müsste andere Fachleute ins Sterben einführen. Der
katholische
getaufte Italiener Terzani aber spricht auf seinen über 700 Seiten
mit
keinem Sterbenswörtchen vom Gott Jesu Christi, von der Kirche. Sie
spielen in seinem Suchen überhaupt keine Rolle. Dies ist eine
Botschaft eben
an diese Kirche. Gegen Ende gesteht er, dass er nicht nur im Himalaya
seine seelische Ausgeglichenheit finden sollte, sondern auch in einem
Leben, das
sich für Frieden, Gerechtigkeit und Liebe engagiert. Ein sehr
lesenswertes
Buch eines modernen Globetrotters, der sich den Fragen von Millionen
nachdenklicher Zeitgenossen stellt. Die Diagnose Krebs hat ihn auf den
Weg eines tieferen Denkens und Liebens geführt. Er ist dankbar
dafür und kann mit
der Krankheit leben.
Schwarzbuch Scientology
Ursula Caberta
Verlag: Gütersloher
Verlagshaus, rund 18.00 Euro
Scientology wird als
Gefahr für unsere Gesellschaft immer noch unterschätzt.
Die Geheimorganisation will eine Zwangsgesellschaft aufbauen und
unterwandert
Schulen, Universitäten, Kultur, Industrie und Politik. Ursula
Caberta,
die in der städtischen Behörde für Inneres in Hamburg
arbeitet,
hat jetzt einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Gesellschaft
aufmerksamer
ist auf die Unterwanderung durch Scientology. Die Gruppe versucht nach
wie
vor – teils mit Erfolg – sich als Religion und Kirche zu tarnen. Dabei
ist
sie weder das eine noch das andere. Sie betreibt Psychoterror. Das Buch
wendet
sich insbesondere an Eltern und Pädagogen, um Kinder vor dem
Zugriff
der Sektierer zu schützen. Jugendliche sind besonders
gefährdet. Gefährlicher aber ist vielleicht noch das stille
Vordringen von Scientology
in Industrie und Handel. Scientology hinterlässt aber kaum
sichtbare
Spuren. Nur ihre Anhänger werden unter Druck gesetzt, die
Gesellschaft
zu manipulieren. Lüge, Betrug und Bestechung sind
selbstverständlich.
Gut ist, was Scientology nützt. Freilich gelingt es immer wieder
Mutigen,
sich aus den Fängen der Manipulatoren zu befreien. Aber das kostet
Zivilcourage
und fordert ein gutes Selbstwertgefühl. Denn die Sektierer
versuchen
alles, um im Dunkeln zu bleiben. Man hätte sich in dem Buch noch
mehr
Informationen darüber gewünscht, welche Firmen, Marken und
Organisationen
schon von Scientology unterwandert sind. Doch dies scheiterte
vermutlich
an unserer Rechtsordnung. Sie schützt wohl mehr das Geheimnis als
die
Aufdeckung, wenn kein Straftatbestand feststeht. Man wünscht sich
auf
jeden Fall das Buch in die Hände von vielen Politikern und
Medienschaffenden.
Sie müssen bestmöglich informiert sein über das, was uns
mehr
bedroht als Waffen, die man kennt und fürchtet.
Weg und Weite,
Festschrift für Karl Lehmann
Hg . von Albert Raffelt
Verlag: Herder, 98 DM
Die Festschrift für
Kardinal Karl Lehmann anlässlich der Vollendung
seines 65.Lebensjahres ist nicht leicht
vorzustellen,
denn der 800 Seiten starke Band bietet eine Fülle von
Beiträgen aus den verschiedensten Bereichen des Wissens und der
Kunst. 55 Theologen, Philosophen und andere Wissenschaftler wollten
Lehmann ehren. Übergreifend für den gesamten Inhalt ist –
nach
Auskunft der Herausgeber – der Begriff „Transzendenz“, der Gottesbezug
des Menschen. Lehmann selbst hatte einmal erklärt: Es ist schwerer
geworden, wenigstens einen Spalt der Tür zur Transzendenz, zu Gott
und Ewigkeit
zu öffnen. Die Beiträge sind in folgende vier Gruppen
eingeteilt:
Exegese bzw. Patristik, Philosophie, Theologie
und Fragen zwischen Staat und Kirche heute. Es würde zu weit
führen,
den Versuch zu wagen, sie inhaltlich vorzustellen. Nur ein Beitrag sei
ausdrücklich genannt, der von Kardinal Joseph Ratzinger, der nach
der Wahrheit des Christentums fragt. Gemeinsam ist allen, dass sie
Lehmann als Kollegen, als Lehrer, als Kirchenmann ehren wollen. Das
Buch spiegelt das Echo auf
die Arbeit Lehmanns in kirchlichen, ökumenischen, kulturellen,
gesellschaftlichen und politischen Feldern. Lehmann
gilt ihnen als
glaubwürdiger und dialogfähiger Gesprächspartner.
Durch viele Stationen der letzten Jahre hat er die Tradition und
Position
der katholischen Kirche ohne Identitätsverlust und in Offenheit
für
andere Positionen vertreten und ins Gespräch gebracht. Dies zeigt
sich gerade auch in den einleitenden 35 Grußworten von
herausragenden Persönlichkeiten
aus Politik, Kirche und Wissenschaft. Unter ihnen Rau und Thierse,
Schröder
und Weizsäcker, die Kardinal Sodano und Vlk, weiters mehrere
evangelische Bischöfe, viele Ministerpräsidenten,
Intendanten.
Das Buch zeigt wirklich
die hohe Wertschätzung, die der Vorsitzende
der deutschen Bischofskonferrenz in Kirche und Gesellschaft
genießt.
Die Inquisition, Eine Chronik des Schreckens
Von Josef
Dirnbeck
Pattloch-Verlag, 49,90 DM
Inquisition - ein Wort,
das einen Gänsehaut über den Rücken
laufen lässt. Scheiterhaufen, Folterkeller, Spitzelwesen - durch
eine
Kirche, die meinte, auf diese Weise die Wahrheit Jesu Christi
schützen
und verteidigen zu müssen. Der österreichische Schriftsteller
Josef
Dirnbeck hat jetzt ein Riesenwerk dazu herausgebracht, in dem er
akribisch
der Geschichte der Inquisition nachgeht, ihren Ursachen und
Begründungen,
ihrer Entwicklung und ihren Methoden, ihren Tätern und ihren
Opfern
bis hin zur Bitte des Papstes um Vergebung für die Irrtümer
der
Kirche. Es beginnt im Keime schon zu dem Zeitpunkt, da die Kirche von
Kaiser Konstantin öffentlich anerkannt wird. Ein Höhepunkt
tritt dort
ein, wo im Mittelalter Häresien auftauchen und die Häretiker
zu
Ketzern werden, dann kommt die eigentliche Inquisition, die
Nachforschung
nach Ketzerei und der Versuch, ihre Verfolgung theologisch zu
rechtfertigen.
Es geht um Waldenser, Böhmische Brüder, Templer und
Alumbrados,
um Jan Hus, Jeanne d´Arc, Giordano Bruno und Galileo Galilei, um
Hexen
und den Teufel. Das letzte Kapitel heißt "Versuch eines
Schlussstrichs".
Richtig heißt es auf dem Buchumschlag: "Wer sich auf die
Inquisition
einlässt, wer sich in jene Zeugnisse menschlicher Abgründe
vertieft,
die ihm in den Akten und Dokumenten begegnen, kann sich nicht
heraushalten.
Er kann sich nur aussuchen, wie er sich dazu verhält."
Auch dieses Buch kann den
Glauben an die göttliche Gründung der
Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in
den
eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und
dabei
nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein.
Die Päpste,
Von Josef Gelmi
Topos-Taschenbuch, 8.90
Euro
Seit der Wahl von Papst
Benedikt ist das Interesse am Papsttum gewachsen.
So ist es verständlich, dass in der bekannten Topos-Reihe ein
Bändchen
mit mit Kurzbiographien aller Päpste erschienen ist. Der bekannte
Papstbiograph
aus Südtirol Josef Gelmi bringt das Leben der Petrusnachfolger
jeweils
gut verständlich für Laien auf den Punkt. Er verliert sich
nicht
in Einzelheiten, sondern malt in kurzen Strichen ein Portrait, das sich
einprägt. So werden aus Namen Persönlichkeiten. Im ersten
Jahrtausend sind die
Quellen meist dürftig, dann aber schafft es Gelmi eben so
zusammenzufassen,
dass der Laie sich ein Bild machen kann. Wer sich für Geschichte
interessiert,
sollte das Buch in Griffweite haben.
Papst Clemens VII. und
Michelangelo
Das jüngste Gericht
in der sixtinischen Kapelle
Von Hermann Fillitz
Verlag der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 19.00 Euro
Wussten Sie schon, dass
Michelangelo auf dem jüngsten Gericht in der
Sixtinischen Kapelle auch einige seiner Zeitgenossen abgebildet hat?
Mir
war es bisher nicht bekannt und ich habe auch nicht darüber
nachgedacht.
Die beiden größten Figuren zur Rechten und zur Linken
Christi seien
Papst Clemens VII. und Kaiser Karl V. So schreibt der Kunsthistoriker
Hermann
Fillitz in einem soeben erschienen Buch der österreichischen
Akademie der Wissenschaften. Wer dieses so genannte Jüngste
Gericht auch nur
ein bisschen genau angesehen hat, erkennt leicht, dass die
Schlüssel, die der Petrus in der Hand hält, ziemlich defekt
sind. Sie sagen: Das Petrusamt funktioniert nicht mehr, die Lage der
Kirche ist verzweifelt. Das
war sie genau zur Zeit Clemens VII, der Michelangelo mit dem
Gemälde
beauftragt hat. Die große Figur auf der anderen Seite Christi
zeigt
Kaiser Karl V. Das sieht man auch an einem Vergleich dieses Kopfes mit
einem
Kaiserportrait auf einer zeitgenössischen Münze. Papst
Clemens
wollte von Michelangelo darstellen lassen, wie er sich mit dem Kaiser
zusammen
um die Wiederherstellung der Kirche mühte. Daher seine Idee,
dieses
Bildnis an der Stirnseite der Sixtina malen zu lassen. Alles andere in
dem
Buch ist Begründung und Ergänzung dieser Grundthese. Ich
finde
den Band sehr spannend, weil er die Geschichte der schwierigen
Reformationszeit
zusammenbringt mit der größten Kunst der damaligen Zeit. Und
vor
allem lehrt das Beispiel, dass viele künstlerische Darstellungen
eine
wesentlich tiefere als nur die ästhetische Bedeutung haben.
Michelangelo hatte ja ein ganzes theologisches Programm für die
Decke der Sixtina.
An so etwas denkt der Nichtfachmann weniger wenn er die Bilder
bewundert. Aber eine so kleine Entdeckung wie die zerbrochenen
Schlüssel in den Papsthänden beginnen Geschichten zu
erzählen, auf die man erst
beim zweiten Schauen kommt.
Das Antlitz Christi –
Grabtuch – Veronika
Von Andreas Resch,
Resch-Verlag, Innsbruck,
14.90 Euro
Kein Wunder, dass sich
die Christen seit 2000 Jahren fragen, wie Jesus von Nazareth ausgesehen
hat. Wer zu ihm betet, möchte sich ihn vorstellen.
Die Kirche der ersten Jahrhunderte aber erklärte kategorisch: Eine
Abbildung
Jesu ist nicht erlaubt, denn sein menschliches Antlitz ist nach seiner
Auferstehung unwichtig. Der Wunsch aber, sein Antlitz zu schauen,
blieb. Heute nun gibt
es eine Reihe von ernsthaften Wissenschaftlern, die davon
überzeugt
sind: wir wissen, wie Jesus aussah. Es gibt Abbildungen, die ihn
zeigen.
Aber kein Mensch, weiß, wie das Bild auf die Unterlage kam. Daher
werden
sie als „nicht von Menschen gemachte“ Bilder bezeichnet. Das eine sieht
man
auf dem Grabtuch von Turin, das andere auf der so genannten „Veronika“.
Nun
hat der Innsbrucker Professor für Paranormologie Andreas Resch
eine
wissenschaftlich Arbeit über die Darstellung des Antlitzes Christi
mit
vielen Abbildungen vorgelegt. Nicht nur decken sich die Maße der
Gesichter
auf Grabtuch und „Veronika“. Das haben Computertests vielfach
bestätigt.
Sie decken sich auch mit vielen uralten Christusdarstellungen in
Katakomben
und auf berühmten Bildern. Daraus geht freilich nicht hervor, dass
die
abgebildete Person Jesus von Nazareth ist. Aber es gibt die
Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Der französische Agnostiker Yves Delage hat schon vor über
100
Jahren nüchtern festgestellt, dass es sich nach ihr um Jesus von
Nazareth
handelt.
Papsttum und Päpste
im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII zu Johannes Paul
II:
Von Georg Schwaiger
Verlag C.H.Beck. 30 Euro
Der jüngste
Papstwechsel schafft Interesse für die Geschichte der
Päpste – vor allem der letzten. Was waren das eigentlich für
Menschen:
der Sozialpapst Leo XIII, der Fromme Pius X,
der Friedenspapst Benedikt XV, der Mann aus der Bibliothek, Pius XI?
Und
die weiteren bis zum eben Verstorbenen. Antwort auf diese Fragen finden
sich
in dem Band „Papsttum und Päpste des 20. Jahrhunderts“ von Georg
Schwaiger.
Da gab es Päpste aus ärmsten Verhältnisse und noblen
Diplomatenfamilien,
da gab es Kerngesunde und Kränkelnde, da gab es kritische
Theologen
und einfach Fromme. Sie lagen irgendwie auf einer Linien und waren doch
grundverschieden.
Italiener waren sie außer dem zuletzt Verstorbenen. Aber auch
Italiener
sind nicht alle gleich. Und die Herausforderung war jeweils ganz
verschieden.
Jeder musste sich mit den Grenzen seines Vorgängers auseinander-
und
doch seine Linie fortsetzen. Papstsein bedeutet Herausragen und doch
Einordnen,
groß sein müssen, obwohl man sich klein fühlt. Das
zwanzigste
Jahrhundert bedeutet auch: Übergang vom Hängen am alten
Kirchenstaat
zur Freude über dessen Ende. Man muss sich wundern, dass die
Kirche
all die Stürme überlebt. Auch die Stürme Mussolini,
Hitler,
Stalin, Aufklärung und 2. Vatikanum.
Pilger gegen die Macht
Von Paul Verbeek
St.Ulrich-Verlag,
Augsburg, 16.90 Euro
Unendlich Vieles ist in
den letzten Jahren über Papst Johannes Paul
II. und den Fall der Mauern in Europa geschrieben worden. Es mag schwer
sein,
wirklich Neues hinzuzufügen. Das Buch des ehemaligen deutschen
Botschafters
beim Apostolischen Stuhl, Paul Verbeek, das ich Ihnen vorstellen
möchte,
fügt Neues hinzu. Er hat selbst dreißig Jahre lang als
Diplomat
an den politischen Bemühungen um Entspannung zwischen Ost und West
aktiv
teilgenommen und zuletzt Worte und Taten des Papstes, die zum Fall der
Mauern
beitrugen, aus nächster Nähe beobachtet. In seinem Buch
ordnet
er die päpstliche Handeln in die Zeitumstände ein: Der
Ostblock
war wirtschaftlich am Ende, er konnte mit der Rüstung des Westens
nicht
mehr mithalten, in den USA fuhr Präsident Reagan einen scharfen
antikommunistischen
Kurs, Helmut Schmitt hatte den Doppelbeschluss durchgesetzt. Auf diesem
Hintergrund
hatte jedes Papstwort besonderes Gewicht. Er zählte aber
primär
nicht auf Waffen und Worte, sondern auf das Wissen, dass das
kommunistische
System sich als untauglich erwiesen hatte und so an sein Ende gekommen
war.
Die Versprechungen des Marxismus-Leninismus hatten sich als Irrtum
erwiesen
– und das wussten vor allem die Machthaber im Osten selbst. Die Kunst
des
Papstes bestand darin, mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl
jede Chance auszunutzen. Er musste Heißsporne - auch in Polen -
mäßigen
und Resignierte aufmuntern. Der Papst hatte zwar eine
außerordentliche
Gabe der Diagnose, aber vor allem die Vision, dass das östliche
Bild
vom Menschen falsch war und das Politiksystem niemanden mehr
überzeugte.
Verbeek scheut nicht davor zurück, ganz persönliche
Erlebnisse
im Vatikan und bei seinen diplomatischen Einsätzen zu
erzählen.
Das gibt seinem Werk außergewöhnliche Authentizität. Er
zeigt
sich als zuverlässiger Augenzeuge. Wer Macht und Diplomatie des
Vatikans verstehen möchte, liest das Buch „Pilger gegen die Macht“
von Paul Verbeek
mit Gewinn.
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