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Selbstvorstellung
Erlauben
Sie mir bitte, dass ich mich hier kurz selbst vorstelle: Ich komme aus
der uradeligen Familie derer von Gemmingen, die an verschiedenen Orten
zwischen Stuttgart und Heidelberg, Würzburg und Karlsruhe lebt.
Die
meisten Familienmitglieder sind evangelisch, nur wenige katholisch, da
einer ihrer Vorfahren aufgrund seiner Heirat mit einer Katholikin
konvertierte. Ich
bin 1936 in Bad Rappenau geboren, wuchs aber seit Kriegsbeginn im
schwäbischen Dörfchen Bürg bei Neuenstadt am Kocher.
Mein Vater ist
bereits 1945 gestorben, nachdem er an der Ostfront verwundet worden
war. Er war dorthin Ende 1944 geschickt worden, weil ein Bruder meiner
Mutter am Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war. So
wuchs ich mit meiner Mutter und fünf Schwestern auf und besuchte
nach
der Volksschule das humanistische Gymnasium der Jesuiten in St.
Blasien. Vor dem Abitur 1956 entschloss ich mich, nicht den
Landwirtschaftsbetrieb der Familie zu übernehmen, sondern Jesuit
zu
werden. Bei der ordensüblichen Ausbildung machte ich mein
zweijähriges
Noviziat ab 1957, studierte dann an der Ordenshochschule in Pullach
drei Jahre Philosophie, arbeitete als Pädagoge weitere drei Jahre
in
St. Blasien, studierte dann drei Jahre Theologie in Innsbruck und ein
Jahr in Tübingen. Hier lernte ich auch persönlich Professor
Joseph
Ratzinger kennen. Zum Priester wurde ich 1968 durch Kardinal Julius
Döpfner in München geweiht. Meine
erste seelsorgliche Arbeit leistete ich zwei Jahre lang bei der action
365, der von Pater Johannes Leppich gegründeten ökumenischen
Gruppe. Es
folgten zehn Jahre in München als Sozius der Jesuitenprovinzials
und
Hausoberer. Gleichzeitig betreute ich weiterhin Gruppen der action 365
und bemühte mich in der „Dritte-Welt-Öffentlichkeitsarbeit.“
So reiste
ich auch dreimal Indien durch Indien. 1980 berief mich die deutsche
Bischofskonferenz zum Beauftragten der katholischen Kirche beim Zweiten
Deutschen Fernsehen. 1982 wechselte ich zu Radio Vatikan, wo ich Leiter
der deutschsprachigen Redaktion wurde. In den 25 Jahren habe ich neben
der normalen Redaktionstätigkeit Papst Johannes Paul auf fast
allen
Reisen in Europa und einigen in Übersee begleitet. Aufregende Tage
erlebte ich aus nächster Nähe, als Papst Woityla starb, das
Konklave
stattfand und Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde. In
der Arbeit beim päpstlichen Sender geht es mir vor allem um eine
korrekte Berichterstattung über Papst und Vatikan, aber auch um
wichtige Kirchenereignisse in der Christenheit rund um den Globus. Radio
Vatikan versteht sich nicht als Missionssender, sondern als
Kommunikationsorgan zwischen den verschiedenen Teilen der Kirche und
als Komunikator der päpstlichen Positionen zu wichtigen
Zeitfragen,
also zu Krieg und Frieden, Ethos und Weltanschauung, Ökumene und
Religionsgespräch. Der Sender macht Programme in rund 40 Sprachen
und
versteht sich Hilfe zur Verständigung zwischen der katholischen
Kirchenleitung und den interessierten Hörerinnen und Hörern. P.
Eberhard v. Gemmingen SJ |